Was passiert, wenn auf einer Cloud-Konferenz nicht Produkte verkauft, sondern Architekturentscheidungen diskutiert werden? Im besten Fall geht man mit einer besseren technischen Lösung nach Hause. Genau das haben wir bei den ersten Sovereign Cloud Days in Saarbrücken erlebt.
Vom 22. bis 25. Oktober 2026 fanden in Saarbrücken erstmals die Sovereign Cloud Days statt. Die Veranstaltung verband zwei Schwerpunkte: den Südwest Digital Track für strategische Fragen und den OpenInfra & Cloud Native Track für die technische Community.
Wir waren am 24. und 25. Oktober auf dem Campus der htw saar dabei. Im Mittelpunkt standen offene Infrastrukturen, Cloud-Native-Technologien und Erfahrungen aus dem tatsächlichen Betrieb.
Was uns besonders gefallen hat: keine Verkaufspräsentationen, keine oberflächlichen Produktversprechen. Stattdessen ging es um technische Entscheidungen, konkrete Herausforderungen und die Frage, welche Architekturen sich in der Praxis bewähren.
Offene Schnittstellen statt fester Providerbindung
Auch ayedo war mit einem eigenen Vortrag vertreten.
Unser Geschäftsführer stellte vor, wie sich unterschiedliche Infrastrukturprovider über offene IaaS-APIs und Kubernetes in eine gemeinsame Betriebsarchitektur integrieren lassen.
Die grundlegende Idee: Die Infrastruktur eines Providers und die darauf betriebene Anwendungsschicht müssen nicht fest miteinander verbunden sein.
Wenn standardisierte Schnittstellen genutzt werden, lassen sich verschiedene Infrastrukturangebote anbinden, ohne die darüberliegende Betriebs- und Anwendungsschicht für jeden Provider neu entwickeln zu müssen.
Das ist insbesondere für föderierte Cloud-Architekturen relevant. Sie sollen es ermöglichen, Ressourcen unterschiedlicher Anbieter gemeinsam zu nutzen, ohne sich vollständig von einem einzelnen Infrastrukturbetreiber abhängig zu machen.
Allerdings entscheidet sich die Praxistauglichkeit solcher Ansätze nicht allein an der Verfügbarkeit offener APIs. Entscheidend sind die konkreten Architekturentscheidungen dahinter.
Und genau darüber wurde in Saarbrücken diskutiert.
Eine Frage, die unsere Architekturannahme verändert hat
Besonders wertvoll war für uns die Diskussion im Anschluss an den Vortrag.
Matthias Tinnemeier stellte eine konkrete Frage: Braucht es tatsächlich für jeden Kunden eine eigene OpenStack-Domain oder reichen voneinander isolierte Projekte?
Bis dahin hatten wir für unseren Anwendungsfall mit separaten Domains geplant.
Die Diskussion zeigte jedoch, dass isolierte OpenStack-Projekte unsere Anforderungen bereits erfüllen können. Eine zusätzliche Domain pro Kunde ist dafür nicht notwendig.
Das ist keine nebensächliche Detailfrage.
OpenStack-Domains dienen der organisatorischen Trennung von Identitäten und Projekten. Projekte wiederum ermöglichen die Isolation von Ressourcen und die Zuweisung von Berechtigungen innerhalb einer Cloud-Umgebung.
Welche Struktur sinnvoll ist, hängt deshalb davon ab, welche Anforderungen an Identitätsverwaltung, Mandantentrennung und Betrieb tatsächlich bestehen.
Für unseren konkreten Anwendungsfall reicht die Trennung auf Projektebene aus.
Diese Erkenntnis vereinfacht unseren Architekturansatz. Und sie entstand nicht in einem internen Meeting, sondern durch eine kritische Nachfrage aus der Community.
Warum solche Veranstaltungen für uns wichtig sind
Open Source bedeutet für uns nicht nur, Software mit offenem Quellcode einzusetzen.
Es bedeutet auch, technische Konzepte nachvollziehbar zu machen, Erfahrungen zu teilen und eigene Annahmen zur Diskussion zu stellen.
Gerade bei komplexen Cloud-Infrastrukturen gibt es selten eine einzige Architektur, die für alle Anforderungen gleichermaßen sinnvoll ist. Unterschiedliche Betriebsmodelle, Sicherheitsanforderungen und organisatorische Rahmenbedingungen führen zu unterschiedlichen Lösungen.
Umso wichtiger ist es, mit Menschen zu sprechen, die vergleichbare Probleme bereits gelöst haben oder bewusst einen anderen Ansatz verfolgen.
Die Sovereign Cloud Days haben dafür den passenden Rahmen geschaffen.
Der Mehrwert einer technischen Konferenz bemisst sich nicht daran, wie oft eine bestehende Meinung bestätigt wird. Sondern daran, ob man anschließend bessere Entscheidungen treffen kann.
Eine gelungene Premiere im Saarland
Dass ein solches Format in Saarbrücken stattfindet, freut uns besonders.
Die Themen reichen weit über das Saarland hinaus: offene Cloud-Infrastrukturen, Interoperabilität, Kubernetes, OpenStack und die Frage, wie sich technologische Abhängigkeiten reduzieren lassen.
Die erste Ausgabe der Sovereign Cloud Days hat gezeigt, dass sich diese Fragen auf hohem fachlichem Niveau diskutieren lassen, ohne dass daraus eine Aneinanderreihung von Anbieterpräsentationen wird.
Wir nehmen aus den beiden Tagen neue Kontakte, interessante technische Perspektiven und eine konkrete Erkenntnis für unsere eigene Architekturarbeit mit.
Unser Fazit: Eine gelungene Premiere mit echtem technischem Mehrwert.
Vielen Dank an das Organisationsteam, die Vortragenden und alle, die sich an den Diskussionen beteiligt haben. Wir hoffen, dass sich die Sovereign Cloud Days dauerhaft etablieren.
Bei der nächsten Ausgabe sind wir gerne wieder dabei.