Alte Eisen, neue Hülle: Wie man Legacy-Monolithen mit Kubernetes-Sidecars modernisiert
„Das können wir nicht in die Cloud schieben, das ist ein Monolith." Diesen Satz hören wir oft. …

In vielen Handelsunternehmen bildet ein über Jahrzehnte gewachsenes Warenwirtschaftssystem (ERP) das Herzstück der IT. Diese Systeme sind stabil und bewährt, wurden jedoch für eine Welt vor dem E-Commerce konzipiert. In der heutigen Omnichannel-Realität werden sie oft zum Flaschenhals: Die API-Schnittstellen sind zu langsam für den Webshop, Echtzeit-Bestandsabfragen überlasten die Datenbank, und neue Features brauchen Monate für die Implementierung.
Die größte Sorge vieler Entscheider ist ein „Big Bang"-Szenario – der komplette Austausch des Systems. Doch es gibt einen sichereren Weg: Die schrittweise Modernisierung durch Umkapselung.
Altsysteme zeichnen sich oft durch eine monolithische Architektur aus. Das bedeutet, dass alle Funktionen – von der Preisberechnung bis zur Lagerlogistik – eng miteinander verzahnt sind. Ändert man an einer Stelle etwas, drohen unvorhersehbare Kettenreaktionen. Die Folge ist eine wachsende technische Schuld, die Innovationen im Keim erstickt.
Anstatt das alte System mit einem Mal abzuschalten, wird es wie von einem „Würgefeigen-Gewächs" (Strangler Fig) schrittweise umschlossen. Neue Funktionen werden nicht mehr im alten Monolithen entwickelt, sondern als moderne, unabhängige Services (Microservices) daneben platziert.
Zuerst wird eine moderne Schnittstellenschicht vor das Altsystem gelegt. Für den Webshop oder die mobile App sieht es so aus, als würde er mit einem modernen System kommunizieren. Im Hintergrund leitet diese Schicht die Anfragen intelligent weiter – entweder an den alten Monolithen oder bereits an neue, moderne Teilsysteme.
Stück für Stück werden geschäftskritische Funktionen aus dem alten System herausgelöst. Ein Beispiel: Die „Verfügbarkeitsprüfung" wird als eigener Service neu gebaut, der eine hochperformante In-Memory-Datenbank nutzt. Der Monolith wird so entlastet und dient nur noch als Datenquelle im Hintergrund.
Anstatt dass der Webshop direkt im alten ERP-System nachfragt, „sendet" das ERP bei jeder Bestandsänderung ein Signal (Event). Moderne Cloud-Native-Plattformen fangen diese Signale auf und verteilen sie an alle Systeme, die diese Information benötigen. Das schont die Ressourcen des Altsystems und ermöglicht Echtzeit-Datenflüsse.
Die Modernisierung von Handels-IT ist kein einmaliges Event, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Wer versteht, wie er seine bewährten Altsysteme durch moderne Infrastruktur-Schichten ergänzt und schrittweise entlastet, sichert sich die Agilität eines Startups, ohne die Verlässlichkeit eines etablierten Unternehmens zu opfern.
Was ist ein “Monolith” in der Handels-IT? Ein Monolith ist eine Software-Anwendung, bei der alle Funktionen in einer einzigen, unteilbaren Einheit zusammengefasst sind. Dies macht sie stabil, aber sehr schwerfällig bei Änderungen oder Skalierungswünschen.
Muss für eine Modernisierung die komplette Hardware getauscht werden? Nicht zwingend. Durch den Einsatz von Containern und modernen Abstraktionsschichten kann neue Software oft parallel zur alten Hardware betrieben werden. Ziel ist es meist, die Logik schrittweise in flexiblere Cloud-Umgebungen zu verlagern.
Wie lange dauert eine solche Transformation per Strangler-Pattern? Dies ist ein dauerhafter Prozess. Der Vorteil ist jedoch, dass erste Ergebnisse oft schon nach 2–3 Monaten sichtbar sind, da man mit den Funktionen beginnt, die den größten geschäftlichen Nutzen bringen.
Was passiert, wenn der Datenaustausch zwischen alt und neu hakt? Hier kommen sogenannte “Anti-Corruption Layer” zum Einsatz. Das sind Vermittlungsschichten, die sicherstellen, dass die moderne Logik nicht durch die veralteten Datenstrukturen des Altsystems “korrumpiert” wird.
Warum ist die API-First-Strategie hier so wichtig? API-First bedeutet, dass jede neue Funktion zuerst über eine definierte Schnittstelle erreichbar sein muss. Dies ist die Grundvoraussetzung, um verschiedene Systeme (Webshop, Kasse, Logistik) flexibel miteinander zu verknüpfen.
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