Individueller Provider-Block-Storage vs. Longhorn
Fabian Peter 4 Minuten Lesezeit

Individueller Provider-Block-Storage vs. Longhorn

Block Storage gehört zu den unsichtbaren, aber kritischsten Schichten jeder Cloud- und Kubernetes-Architektur. Ob AWS EBS, Azure Managed Disks oder vergleichbare provider-spezifische Angebote: Sie funktionieren zuverlässig – solange man im jeweiligen Ökosystem bleibt. Genau diese Selbstverständlichkeit wird selten hinterfragt.
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Abhängigkeit einkaufen oder Resilienz aufbauen

Block Storage gehört zu den unsichtbaren, aber kritischsten Schichten jeder Cloud- und Kubernetes Architektur. Ob AWS EBS, Azure Managed Disks oder vergleichbare provider-spezifische Angebote: Sie funktionieren zuverlässig – solange man im jeweiligen Ökosystem bleibt. Genau diese Selbstverständlichkeit wird selten hinterfragt.

Mit zunehmender Plattformisierung von Kubernetes wird Block Storage jedoch vom Detail zur strategischen Entscheidung. Longhorn setzt genau hier an und stellt die Grundannahme infrage, dass persistenter Storage zwangsläufig an einen einzelnen Anbieter gebunden sein muss.


Provider-Block-Storage: bequem, stabil – und bindend

Provider-eigener Block Storage ist auf maximale Bequemlichkeit ausgelegt. Volumes lassen sich per Klick oder API bereitstellen, Snapshots und Backups sind integriert, Performance-Profile klar definiert. Für klassische VM-Workloads oder einfache Kubernetes-Setups ist das attraktiv. Betrieb und Verfügbarkeit erscheinen „gelöst".

Diese Bequemlichkeit ist real – aber sie erkauft sich Abhängigkeit. Volumes existieren ausschließlich im Kontext des jeweiligen Providers. Replikation, Hochverfügbarkeit und Disaster-Recovery folgen der Architektur des Anbieters, nicht der eigenen Plattformlogik. Zonen, Regionen und Failover-Modelle sind vorgegeben und nur begrenzt beeinflussbar.

Solange Anwendungen einfach bleiben, fällt das kaum ins Gewicht. Mit steigender Komplexität wird Storage jedoch vom unterstützenden Baustein zum bestimmenden Faktor.


Wenn Kubernetes zur Plattform wird

Sobald Kubernetes mehr ist als ein Orchestrator für stateless Services, zeigen sich die Grenzen provider-spezifischen Block Storages deutlich. Stateful Workloads hängen an zonenspezifischen Volumes. Pod-Scheduling wird durch Storage-Topologie eingeschränkt. Hochverfügbarkeit entsteht nicht aus dem Cluster, sondern aus impliziten Annahmen über Zonen und Regionen.

Multi-Cluster-Setups, Cluster-Migrationen oder Hybrid-Szenarien werden schnell komplex oder praktisch unmöglich. Storage, eigentlich abstrahiert, diktiert plötzlich Architekturentscheidungen. Kubernetes verliert einen Teil seines Versprechens: Portabilität.


Longhorn: Storage als Teil des Clusters

Longhorn verfolgt einen bewusst anderen Ansatz. Open Source, cloud-agnostisch und vollständig in Kubernetes integriert. Block Storage wird nicht extern konsumiert, sondern als verteiltes System direkt im Cluster aufgebaut.

Volumes werden auf Node-Ebene repliziert. Replikationsfaktoren, Platzierung und Failover-Verhalten sind explizit konfigurierbar. Snapshots und Backups sind Bestandteil des Systems, nicht ein externer Dienst. Volumes sind nicht mehr an Zonen oder Provider gebunden, sondern Teil der Kubernetes-Logik.

Der entscheidende Unterschied: Storage wird wieder zu einem gestaltbaren Architekturbaustein.


Kontrolle statt impliziter Defaults

Longhorn zwingt dazu, sich mit Storage auseinanderzusetzen. Performance-Charakteristika, Replikationsgrade, Failure-Szenarien und Netzwerk-Latenzen müssen bewusst entschieden werden. Das ist zusätzlicher Aufwand – aber es ist transparenter Aufwand.

Bei Provider-Block-Storage sind viele Entscheidungen implizit. Defaults werden übernommen, ohne dass sie sichtbar sind. Longhorn macht diese Entscheidungen explizit. Betreiber wissen, warum ein Volume repliziert ist, wie es sich bei Node-Ausfällen verhält und welche Performance realistisch ist.

Diese Transparenz ist kein Selbstzweck. Sie ist Voraussetzung für belastbare Plattformarchitektur.


Portabilität und echte Resilienz

Strategisch liegt der größte Unterschied in der Bindung. Provider-Block-Storage bindet Daten an eine Plattform. Longhorn bindet sie an Kubernetes. Wer Cluster verschiebt, neu aufsetzt oder zwischen Umgebungen migriert, nimmt seine Volumes mit.

Das ist kein Marketingversprechen, sondern eine praktische Voraussetzung für echte Resilienz. Disaster-Recovery jenseits einzelner Provider, kontrollierte Migrationen oder der Aufbau redundanter Cluster werden überhaupt erst realistisch.

Gerade in Szenarien, in denen Kubernetes als langfristige Plattform verstanden wird, ist diese Entkopplung entscheidend.


Grenzen und realistische Einordnung

Longhorn ist kein Allheilmittel. Extrem latenzkritische Workloads, spezialisierte Storage-Hardware oder sehr hohe IOPS-Anforderungen können mit nativen Provider-Lösungen besser bedient sein. Auch der zusätzliche Betriebsaufwand ist real und muss eingeplant werden.

Für den Großteil klassischer stateful Kubernetes-Workloads bietet Longhorn jedoch etwas, das provider-eigener Block Storage nicht liefern kann: Unabhängigkeit ohne exotische Hardware oder proprietäre Schnittstellen.


Verdichteter Vergleich

Aspekt Provider-Block-Storage Longhorn
Bindung Provider-spezifisch Kubernetes-gebunden
Portabilität Gering Hoch
Replikation Provider-definiert Explizit konfigurierbar
Kubernetes-Integration CSI-basiert, extern Nativ
Kontrolle Eingeschränkt Vollständig
Betriebsaufwand Gering Höher, aber transparent

Wann welcher Ansatz sinnvoll ist

Provider-Block-Storage ist sinnvoll für:

  • klassische VM-Workloads
  • einfache Kubernetes-Setups
  • sehr latenzkritische Anwendungen
  • Szenarien mit bewusstem Provider-Lock-in

Longhorn ist sinnvoll für:

  • Kubernetes als Plattform, nicht als Nebenprodukt
  • Multi-Cluster- oder Hybrid-Szenarien
  • Anforderungen an Portabilität und Disaster-Recovery
  • Architekturen, bei denen Storage nicht diktiert, sondern folgt

Fazit

Block Storage entscheidet über Verfügbarkeit, Kosten und Exit-Strategien. Er ist keine neutrale Infrastrukturkomponente.

Wer ihn vollständig an einen Provider auslagert, gibt mehr aus der Hand als nur Daten. Longhorn macht Storage wieder zu einem gestaltbaren Teil der eigenen Plattform – mit allen Konsequenzen, aber auch mit echter Kontrolle.

Resilienz entsteht nicht durch Defaults. Sie entsteht durch bewusste Architekturentscheidungen.

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