Straßburg sendet ein Signal:
Die Zeit der US-Dominanz ist vorbei Gestern hat das Europäische Parlament eine Entscheidung …

Was vergangene Woche im EU-Parlament beschlossen wurde, markiert weit mehr als eine politische Absichtserklärung. Es ist ein überfälliger Befreiungsschlag aus einer Abhängigkeit, die Europa über Jahre nicht nur akzeptiert, sondern aktiv vertieft hat. Unsere digitale Infrastruktur – Cloud, Collaboration, Entwicklungsumgebungen, Delivery-Pipelines, Observability, Security, zunehmend auch KI – basiert heute auf Plattformen, die weder uns gehören noch unserer Kontrolle unterliegen. Sie werden von US-Konzernen betrieben, unterliegen US-Recht und sind im Zweifel nicht europäischen Interessen verpflichtet, sondern politischen Entscheidungen in Washington.
Dass der Zugriff auf diese Dienste eingeschränkt, politisch instrumentalisiert oder entzogen werden kann, ist längst kein theoretisches Risiko mehr. Es wird offen diskutiert, mit dem immer gleichen Argument der nationalen Sicherheit. Europa hätte in einem solchen Szenario kaum operative Gegenmittel. Abhängigkeit wirkt nicht im Normalbetrieb, sondern im Ausnahmefall – und genau dort zeigt sich, wie wenig souverän viele europäische Organisationen heute tatsächlich sind.
Dass das Parlament in Straßburg nun mit breiter Mehrheit fordert, die Kontrolle über zentrale digitale Ressourcen zurückzugewinnen, ist deshalb keine Symbolpolitik. Es ist eine späte, aber notwendige Anerkennung eines strukturellen Problems. Wer allerdings glaubt, diese Abhängigkeit lasse sich mit wohlklingenden Absichtserklärungen oder einem weiteren „europäischen Cloud-Projekt" beheben, verkennt die eigentliche Dimension der Aufgabe. Digitale Souveränität ist keine Frage der Flagge auf dem Rechenzentrum, sondern der Architektur, nach der Software gebaut und betrieben wird.
Das zentrale Missverständnis der vergangenen Jahre bestand darin, Souveränität mit Herkunft zu verwechseln. Ein europäischer Hyperscaler, der nach denselben Prinzipien funktioniert wie AWS oder Azure, reproduziert exakt jene Abhängigkeiten, die man vorgibt überwinden zu wollen: Zentralisierung, Lock-in, intransparente Kontrollmechanismen und die systematische Verschiebung von Verantwortung weg vom Betreiber hin zum Plattformanbieter. Ein europäisches Logo auf derselben Architektur löst kein Machtproblem – es kaschiert es.
Die eigentliche Frage stellt sich nicht auf der Ebene der Infrastruktur, sondern auf der Ebene der Kontrolle. Wer entscheidet, wie Software gebaut, ausgeliefert und betrieben wird? Wer kontrolliert Deployments, Rollbacks, Backups und Recovery-Prozesse? Wer hat Zugriff auf Metriken, Logs, Traces, Abhängigkeiten und Artefakte? Wer kann im Incident-Fall Systeme reproduzieren, migrieren oder isolieren, ohne auf die Gnade eines externen Plattformbetreibers angewiesen zu sein? Solange diese Fragen nicht technisch beantwortet sind, bleibt „Souveränität" eine Überschrift – und im Störfall die erste Illusion, die zerbricht.
Genau an diesem Punkt setzt ayedo an. Nicht als politisches Projekt, nicht als Ersatz für US-Technologie und nicht als weiterer Cloud-Anbieter, sondern als operative Antwort auf ein strukturelles Problem. Wir bauen keine neue Cloud. Wir abstrahieren die bestehende.
Stattdessen entkoppeln wir den Betrieb von Software konsequent von der darunterliegenden Infrastruktur und ermöglichen es, Anwendungen dort zu betreiben, wo es fachlich, regulatorisch oder strategisch sinnvoll ist: in Public Clouds, bei europäischen Anbietern, in privaten Umgebungen oder im eigenen Rechenzentrum.
Diese Entkopplung ist kein Marketingversprechen, sondern eine technische Eigenschaft. Sie basiert auf einem konsistenten Runtime-Layer, standardisierten Delivery- und Operations-Prozessen und einer Toolchain, die sich nicht am Cloud-Provider orientiert, sondern an den Anforderungen von Verfügbarkeit, Reproduzierbarkeit, Auditierbarkeit und Sicherheit. Kubernetes fungiert dabei nicht als Selbstzweck, sondern als stabiler Abstraktionslayer, auf dem Betriebsmodelle vereinheitlicht werden können – unabhängig davon, wo die darunterliegende Infrastruktur steht.
Wer diese Ebene kontrolliert, kontrolliert nicht nur Daten, sondern die komplette Software-Lieferkette: Build-Prozesse, Artefakte, Abhängigkeiten, Identity, Policies, Netzwerkpfade, Observability, Security Controls und Recovery-Mechanismen. Genau hier entsteht in der Praxis Lock-in – nicht durch virtuelle Maschinen oder Storage, sondern durch proprietäre Betriebslogiken, nicht migrierbare Services und intransparente Kontrollpfade. Souveränität bedeutet, diese Logiken offen, überprüfbar und beherrschbar zu machen.
Deshalb verstehen wir Open Source nicht als ideologisches Label, sondern als betriebliche Voraussetzung. Nicht der Quellcode allein schafft Kontrolle, sondern die Fähigkeit, ihn reproduzierbar zu bauen, konsistent auszuliefern und unter definierten Bedingungen zu betreiben. GitOps, Observability, Security und Compliance sind für uns keine Features, sondern Grundlagen eines Betriebsmodells, das auch unter regulatorischem Druck handlungsfähig bleibt.
Gerade in regulierten Umgebungen zeigt sich, wie hohl viele Souveränitätsversprechen sind. GDPR, NIS-2, DORA, CRA oder der Data Act verlangen keine Absichtserklärungen, sondern Nachweise. Wo liegen welche Daten? Wer hat Zugriff? Wie sind Backup- und Exit-Strategien definiert? Wie schnell lässt sich migrieren, ohne Funktionalität zu verlieren? Welche Teile der Lieferkette sind überprüfbar und kontrollierbar? Diese Fragen lassen sich nicht politisch beantworten – sie müssen technisch gelöst sein, bevor der Auditor oder der Incident kommt.
Souveränität wird nicht dann relevant, wenn alles funktioniert, sondern dann, wenn es nicht funktioniert. Deshalb definieren wir sie operativ. Wir übernehmen den Betrieb so, dass Wiederanlauf, Incident-Response, Monitoring, Alerting, Backup, Restore und Change-Prozesse nicht „irgendwie vorhanden", sondern dokumentiert, getestet und wiederholbar sind. Das ist der Unterschied zwischen einer Plattform, die man nutzt, und einer Architektur, die man beherrscht.
Die Behauptung, es gebe keine Alternativen zur US-Dominanz, ist ein Mythos – gepflegt von denen, die von dieser Dominanz profitieren. Standardisierung ist keine Frage der Herkunft, sondern der Robustheit, Portabilität und Transparenz. Wir zeigen täglich, dass hochverfügbare, regulatorisch anspruchsvolle Softwareprodukte auch auf europäischer Infrastruktur betrieben werden können – für über 270 Millionen Endnutzer im Monat. Nicht, weil wir besonders laut sind, sondern weil wir konsequent sind. Weil wir Betrieb absichern, bevor andere beginnen, über Monitoring zu sprechen. Und weil wir Verantwortung übernehmen, statt sie an Plattformen auszulagern.
Europa muss keine Hyperscaler klonen. Europa braucht keine technologischen Ersatzreligionen. Europa braucht operative Souveränität – eine Betriebsrealität, in der Kontrolle nicht behauptet, sondern durch Architektur erzwungen wird. ayedo ist nicht die Alternative zu bestehenden Plattformen. ayedo ist der Schritt nach vorn.
Die Zeit der US-Dominanz ist vorbei Gestern hat das Europäische Parlament eine Entscheidung …
🧠 Editorial Diese Woche markiert eine Verschiebung. Weg von der Frage, ob digitale Abhängigkeiten …
Kubernetes ist das Betriebssystem der souveränen Cloud Kaum eine Technologie hat die moderne IT so …