AWS CloudWatch & Azure Monitor vs. Grafana
Fabian Peter 4 Minuten Lesezeit

AWS CloudWatch & Azure Monitor vs. Grafana

Monitoring und Observability sind längst mehr als Betriebswerkzeuge. Sie bestimmen, wie Systeme verstanden, bewertet und gesteuert werden. AWS CloudWatch und Azure Monitor sind die nativen Monitoring- und Observability-Dienste ihrer jeweiligen Hyperscaler. Grafana verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz.
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Monitoring als Cloud-Funktion oder als offene Observability-Schicht

Monitoring und Observability sind längst mehr als Betriebswerkzeuge. Sie bestimmen, wie Systeme verstanden, bewertet und gesteuert werden. AWS CloudWatch und Azure Monitor sind die nativen Monitoring- und Observability-Dienste ihrer jeweiligen Hyperscaler. Grafana verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz.

Der Unterschied liegt nicht darin, ob Metriken, Logs oder Events erfasst werden. Er liegt darin, wer definiert, wie diese Daten strukturiert, korreliert und genutzt werden dürfen. Monitoring ist damit keine rein technische Frage – es ist eine Frage von Architekturhoheit.


CloudWatch & Azure Monitor: Observability als Teil der Cloud

CloudWatch und Azure Monitor sind tief in ihre jeweiligen Cloud-Plattformen integriert. Sie erfassen Metriken, Logs und Events aus Compute-, Netzwerk- und Plattform-Services nahezu automatisch. Dashboards, Alerting und einfache Korrelationen sind sofort verfügbar. Das Onboarding ist niedrigschwellig, der operative Einstieg gering.

Monitoring ist hier kein eigenständiger Architekturbaustein, sondern Teil des Cloud-Angebots. Wer Ressourcen anlegt, bekommt Observability gleich mitgeliefert. Für viele Teams ist das attraktiv: wenig Setup, klare Defaults, schnelle Ergebnisse.

Diese Einfachheit ist jedoch an einen klaren Rahmen gebunden.


Strukturelle Bindung an den Anbieter

CloudWatch und Azure Monitor folgen proprietären Datenmodellen, Abfragesprachen und Retention-Logiken. Was gemessen wird, wie es aggregiert wird und zu welchen Kosten, entscheidet der Anbieter. Logs, Metriken und Alarme sind technisch nutzbar, aber konzeptionell auf die jeweilige Cloud zugeschnitten.

Kubernetes, hybride Setups oder zusätzliche Datenquellen lassen sich anbinden – allerdings immer innerhalb der Grenzen des jeweiligen Dienstes. Abfragen folgen Cloud-spezifischen Sprachen, Retention wird kostengetrieben festgelegt, Korrelationen orientieren sich an der Anbieterlogik.

Observability wird hier konsumiert, nicht gestaltet. Sie optimiert den Blick auf eine einzelne Cloud – nicht auf eine plattformübergreifende Architektur.


Grafana: Observability als offene Schicht

Grafana setzt an einem anderen Punkt an. Als Open-Source-Plattform für Visualisierung und Observability ist Grafana kein Datenspeicher, sondern eine einheitliche Analyse- und Darstellungsschicht über viele Datenquellen hinweg.

Metriken aus Prometheus oder VictoriaMetrics, Logs aus Loki oder VictoriaLogs, Traces aus Tempo oder Jaeger – Grafana korreliert diese Daten unabhängig davon, wo sie entstehen oder gespeichert sind. Die Plattformlogik liegt nicht beim Infrastruktur-Anbieter, sondern in der eigenen Observability-Architektur.

Grafana ist damit kein Cloud-Service, sondern ein verbindendes Element.


Die Rolle des Werkzeugs entscheidet

Der entscheidende Unterschied liegt in der Rolle, die das Werkzeug einnimmt. CloudWatch und Azure Monitor koppeln Observability an die Cloud. Grafana entkoppelt Analyse und Visualisierung von der Infrastruktur.

Dashboards, Alerts und SLOs lassen sich über mehrere Cluster, Clouds oder Rechenzentren hinweg konsistent definieren. Kubernetes wird nicht als Sonderfall behandelt, sondern als erste Klasse. Observability folgt der Anwendung und der Plattform – nicht dem Provider, in dem sie gerade läuft.

Gerade in verteilten Systemen ist das kein Nice-to-have, sondern Voraussetzung für belastbare Betriebsmodelle.


Passend für moderne Plattformarchitekturen

Diese Offenheit passt zu modernen Plattformansätzen. Grafana integriert sich nahtlos in Kubernetes-Umgebungen, unterstützt deklarative Konfigurationen und lässt sich GitOps-konform betreiben. Dashboards, Alerts und SLO-Definitionen sind versionierbar, reproduzierbar und portabel.

Die gleiche Observability-Schicht funktioniert on-premises, in einer europäischen Cloud oder verteilt über mehrere Anbieter hinweg – ohne Neuaufbau der Visualisierung oder Alarmierung. Die Plattform behält ihren Blick auf das System, auch wenn sich Infrastruktur ändert.

Das ist mit Hyperscaler-Monitoring so nicht möglich, weil es nicht dafür entworfen ist.


Gestaltung statt Default

Der Preis für diese Unabhängigkeit ist bewusste Gestaltung. Grafana nimmt keine Entscheidungen über Datenerhebung oder Storage ab. Datenquellen müssen ausgewählt, betrieben und skaliert werden. Retention, Aggregation und Kosten liegen in der eigenen Verantwortung.

Dafür entsteht Transparenz. Kosten sind nachvollziehbar, Datenflüsse klar, Abhängigkeiten sichtbar. Observability wird steuerbar – nicht durch Preismodelle oder implizite Limits begrenzt.

Optimierung bedeutet hier bessere Architektur, nicht höhere Service-Tiers.


Relevanz für souveräne Plattformen

In Plattformen mit Anspruch auf technologische Souveränität zeigt sich der Unterschied deutlich. Hyperscaler-Monitoring optimiert den Blick auf eine einzelne Cloud. Grafana etabliert eine einheitliche, offene Observability-Schicht über alle Umgebungen hinweg.

Die Anbindung an OpenTelemetry, Kubernetes und Open-Source-Datenquellen macht Grafana anschlussfähig an langfristige Plattformstrategien – unabhängig davon, wie sich Infrastruktur oder Anbieter entwickeln.


Verdichteter Vergleich

Aspekt CloudWatch / Azure Monitor Grafana
Rolle Cloud-Funktion Observability-Schicht
Datenmodell Proprietär Offen
Plattformbindung Hoch Gering
Kubernetes-Fokus Ergänzend Nativ
Portabilität Gering Hoch
Gestaltungshoheit Anbieter Betreiber

Wann welcher Ansatz sinnvoll ist

CloudWatch / Azure Monitor sind sinnvoll für:

  • klar Cloud-zentrierte Workloads
  • schnellen Einstieg ohne Plattformanspruch
  • geringe Anforderungen an Portabilität
  • Fokus auf Anbieter-Defaults

Grafana ist sinnvoll für:

  • [Kubernetes]- und Plattform-zentrierte Architekturen
  • Multi-Cloud- oder Hybrid-Setups
  • GitOps- und deklarative Betriebsmodelle
  • langfristige Observability-Strategien
  • Organisationen mit Anspruch auf Souveränität

Fazit

Monitoring entscheidet nicht nur darüber, ob Systeme „grün" sind. Es entscheidet darüber, wer definiert, wie Systeme verstanden, bewertet und gesteuert werden.

CloudWatch und Azure Monitor ordnen Observability der Cloud unter. Grafana macht sie zu einer offenen, kontrollierbaren Plattformschicht.

Der Unterschied ist nicht funktional, sondern strategisch. Wer Observability konsumiert, übernimmt die Sicht des Anbieters. Wer sie selbst gestaltet, behält den eigenen Blick – auch dann, wenn sich Infrastruktur, Cloud oder Organisation ändern.

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