Schluss mit dem Leerlauf: Rightsizing-Tools für effiziente Kubernetes-Cluster
David Hussain 3 Minuten Lesezeit

Schluss mit dem Leerlauf: Rightsizing-Tools für effiziente Kubernetes-Cluster

In der klassischen Server-Welt galt: „Lieber zu viel RAM als zu wenig." In Kubernetes führt diese Einstellung direkt zu einer aufgeblähten Cloud-Rechnung. Da Kubernetes Pods basierend auf ihren Resource Requests (Reservierungen) plant, bezahlen Sie für den Platz, den Sie reservieren – völlig egal, ob Ihre Applikation ihn tatsächlich nutzt.
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In der klassischen Server-Welt galt: „Lieber zu viel RAM als zu wenig." In Kubernetes führt diese Einstellung direkt zu einer aufgeblähten Cloud-Rechnung. Da Kubernetes Pods basierend auf ihren Resource Requests (Reservierungen) plant, bezahlen Sie für den Platz, den Sie reservieren – völlig egal, ob Ihre Applikation ihn tatsächlich nutzt.

Wir nennen das Phänomen „Slack". Im Durchschnitt sind Kubernetes-Cluster in Unternehmen um 30 % bis 50 % überprovisioniert. Rightsizing ist der Prozess, diese Lücke zwischen Reservierung und realem Verbrauch zu schließen.

Das Dilemma der Schätzungen

Entwickler stehen vor einer schwierigen Aufgabe: Sie müssen festlegen, wie viel CPU und RAM ihre Applikation benötigt, bevor sie unter realer Last gelaufen ist.

  • Schätzen sie zu niedrig, stürzt die App ab (OOM-Kill) oder wird extrem langsam (CPU-Throttling).
  • Schätzen sie zu hoch, bleibt der Cluster stabil, aber das Unternehmen verbrennt Geld für ungenutzte Kapazität.

Die Retter: Automatisierte Rightsizing-Tools

Im Jahr 2026 müssen Sie nicht mehr raten. Es gibt Tools, die das Nutzerverhalten analysieren und präzise Empfehlungen geben.

1. Vertical Pod Autoscaler (VPA)

Der VPA ist der “Autopilot” für Ressourcen. Er beobachtet den Real-Verbrauch eines Pods über Zeit und passt die Requests automatisch an.

  • Vorteil: Er eliminiert das Rätselraten komplett.
  • Herausforderung: In der Standard-Konfiguration muss ein Pod neu gestartet werden, um die Ressourcen-Änderung zu übernehmen (was durch In-Place-Update-Features in neueren K8s-Versionen jedoch zunehmend gelöst wird).

2. Goldilocks: „Just Right"

Goldilocks nutzt die Empfehlungen des VPA, setzt sie aber nicht automatisch um. Stattdessen erstellt es ein Dashboard, das visualisiert, welche Apps „zu groß" oder „zu klein" eingestellt sind.

  • Vorteil: Ideal für Teams, die die volle Kontrolle behalten wollen.
  • Ziel: Den „perfekten" Mittelweg finden – nicht zu viel, nicht zu wenig.

3. Kubecost / OpenCost

Diese Tools zeigen Ihnen nicht nur Millicores und Megabytes, sondern rechnen diese direkt in Euro und Cent um.

  • Feature: Sie erhalten prozentuale Einsparpotenziale pro Projekt. Ein Bericht könnte etwa sagen: „Ihr Frontend-Team könnte 400 € im Monat sparen, wenn es die Memory-Requests um 20 % senkt."

Strategie: Vertrauen ist gut, Daten sind besser

Rightsizing sollte kein einmaliges Projekt sein, sondern Teil des Continuous-Deployment-Prozesses.

  1. Beobachten: Lassen Sie Tools wie Goldilocks für zwei Wochen Daten sammeln.
  2. Anpassen: Nutzen Sie die Empfehlungen, um die requests in Ihren Helm-Charts oder Kustomize-Files anzupassen.
  3. Automatisieren: Für unkritische Workloads (Dev/Staging) aktivieren Sie den VPA im Auto-Modus, um die Umgebung permanent schlank zu halten.
Metrik Auswirkung bei Überprovisionierung Auswirkung bei Unterprovisionierung
Kosten Steigen massiv (Zahlung für Leerlauf) Niedrig
Stabilität Sehr hoch Risiko von Abstürzen (OOM)
Performance Gut Gefahr von Latenzen (CPU Throttling)

Fazit: Effizienz ist ein Teamsport

Rightsizing-Tools nehmen den Entwicklern die Angst vor der Fehlkalkulation. Sie ermöglichen es der IT-Leitung, Kosten zu senken, ohne die Stabilität zu gefährden. Wer 2026 seine Cluster-Ressourcen nicht datengesteuert optimiert, lässt bares Geld auf dem Tisch liegen.


Technical FAQ: Rightsizing

Sollten Requests und Limits immer gleich sein? Nicht zwingend. Für CPU ist es oft sinnvoll, die Requests niedrig (basierend auf dem Durchschnitt) und die Limits hoch (für Lastspitzen) zu setzen. Bei RAM hingegen sollten Requests und Limits nah beieinander liegen, um unvorhersehbare OOM-Kills durch das Betriebssystem zu vermeiden.

Verlangsamt der VPA meine Applikation? Nein, der VPA beobachtet nur Metriken. Die Anpassung der Ressourcen selbst ist ein administrativer Vorgang. Die Applikation läuft nach dem Update mit der neuen Konfiguration genauso schnell wie vorher – nur eben auf passenderer Hardware.

Wie gehe mit Java-Apps (JVM) um? Java-Applikationen sind beim Rightsizing speziell, da sie sich beim Start oft viel Speicher reservieren (Heap). Hier müssen die Rightsizing-Empfehlungen mit den JVM-Parametern (-Xmx, -Xms) abgestimmt werden, um Konflikte zu vermeiden.

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