Public Money, Public Code: Warum Steuergeld-Software allen gehören muss
David Hussain 3 Minuten Lesezeit

Public Money, Public Code: Warum Steuergeld-Software allen gehören muss

Jedes Jahr fließen Milliarden an Steuergeldern in die Digitalisierung der Verwaltung. Doch oft landet dieses Geld in proprietären Lösungen: Software, deren Quellcode geheim ist, die nur von einem einzigen Anbieter gewartet werden kann und die bei jeder kleinsten Anpassung neue Lizenzgebühren kostet. Wenn die öffentliche Hand die Entwicklung von Software finanziert, stellt sich die moralische und wirtschaftliche Frage: Warum ist das Ergebnis nicht für alle zugänglich?
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Jedes Jahr fließen Milliarden an Steuergeldern in die Digitalisierung der Verwaltung. Doch oft landet dieses Geld in proprietären Lösungen: Software, deren Quellcode geheim ist, die nur von einem einzigen Anbieter gewartet werden kann und die bei jeder kleinsten Anpassung neue Lizenzgebühren kostet. Wenn die öffentliche Hand die Entwicklung von Software finanziert, stellt sich die moralische und wirtschaftliche Frage: Warum ist das Ergebnis nicht für alle zugänglich?

Die Initiative „Public Money, Public Code" fordert genau das: Öffentlich finanzierte Software muss als Open Source bereitgestellt werden. Das ist kein ideologischer Luxus, sondern eine technische Notwendigkeit für einen souveränen Staat.

Die drei Säulen der digitalen Gemeingüter

1. Schluss mit dem “Vendor Lock-in”

Proprietäre Fachverfahren machen Verwaltungen zu Geiseln ihrer IT-Dienstleister. Ist der Code nicht offen, kann kein anderer Anbieter das System übernehmen oder erweitern. Das Ergebnis sind Monopole und Innovationsstau.

  • Die Lösung: Open Source ermöglicht einen echten Wettbewerb um die beste Dienstleistung, nicht um die exklusivsten Lizenzrechte. Die öffentliche Hand behält die Kontrolle über den Lebenszyklus ihrer Anwendungen.

2. Transparenz schafft Sicherheit (und Vertrauen)

„Security durch Obscurity" – also Sicherheit durch Geheimhaltung des Codes – ist ein gefährlicher Trugschluss.

  • Die Technik: Open-Source-Code kann von unabhängigen Experten, Sicherheitsforschern und anderen Behörden auditiert werden. Schwachstellen werden schneller gefunden und behoben. Gerade bei sensiblen Systemen wie E-Voting oder Sozialdaten-Verarbeitung ist die Einsehbarkeit des Codes die einzige Basis für echtes Bürgervertrauen.

3. Effizienz durch radikale Wiederverwendbarkeit

Warum muss jede Kommune das Rad neu erfinden? Ein Open-Source-Ansatz ermöglicht es, dass die Stadt Kiel eine innovative Lösung für das Parkraummanagement entwickelt und die Stadt München diese einfach übernimmt, anpasst und verbessert.

  • Technik-Hebel: Durch moderne Container-Plattformen (Kubernetes) und standardisierte Helm-Charts wird „Public Code" portabel. Eine Anwendung wird einmal entwickelt und kann in jeder souveränen Behörden-Cloud per Knopfdruck deployed werden.

Die Rolle der Infrastruktur: Cloud-Native als Enabler

Damit „Public Code" funktioniert, braucht er eine Heimat, die ebenfalls auf offenen Standards basiert. Es nützt wenig, wenn der Anwendungscode offen ist, die darunterliegende Cloud-Plattform aber eine proprietäre Blackbox bleibt.

  • Sovereign Cloud Stack (SCS): Die Verwaltung braucht eine Infrastruktur, die – genau wie der Code der Fachverfahren – modular und herstellerunabhängig ist. Nur so wird das „Einer-für-Alle"-Prinzip (EfA) technisch skalierbar, ohne neue Abhängigkeiten zu schaffen.

Fazit: Digitale Souveränität beginnt beim Quellcode

Die Forderung nach „Public Code" ist der Abschied vom digitalen Feudalismus. Sie transformiert die Verwaltung von einem passiven Konsumenten hin zu einem aktiven Gestalter des digitalen Raums. Wer den Code kontrolliert, kontrolliert die Regeln, nach denen der digitale Staat funktioniert.


FAQ: Public Money, Public Code

Wird die Software nicht unsicherer, wenn jeder den Code sehen kann? Im Gegenteil. Die Geschichte der IT zeigt, dass Open-Source-Software (wie Linux oder Kubernetes) oft sicherer ist, da eine globale Community kontinuierlich Sicherheitslücken schließt. Angreifer kennen die Lücken oft ohnehin – durch Open Source kennen sie auch die Verteidiger.

Verliert die lokale Wirtschaft dadurch keine Aufträge? Nein, das Geschäftsmodell verschiebt sich nur. Statt von Lizenzverkäufen leben IT-Häuser künftig von Beratung, Implementierung, Wartung und individueller Anpassung. Das fördert lokale Expertise statt globaler Monopole.

Wie wird die Qualität von “Public Code” sichergestellt? Durch professionelles Community-Management und klare Standards (z.B. durch die Open Source Business Alliance oder das Zentrum für Digitale Souveränität - ZenDiS). Software wird nicht einfach “ins Netz gekippt”, sondern in moderierten Repositories gepflegt.

Kann eine kleine Kommune überhaupt Open Source managen? Sie muss es nicht alleine tun. Durch das EfA-Prinzip und zentrale IT-Dienstleister werden die Ressourcen gebündelt. Die kleine Kommune nutzt die Software, während das Land oder ein Verbund die Entwicklung steuert.

Gibt es bereits erfolgreiche Beispiele? Ja, Projekte wie der “Sovereign Workplace” (dPhoenixSuite) oder die Corona-Warn-App haben gezeigt, dass hochkomplexe, sichere und breit akzeptierte Lösungen auf Open-Source-Basis in Rekordzeit entstehen können.

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