Pharma statt Stillstand: Jahresauftakt von IHK und Wirtschaftsförderung
Katrin Peter 3 Minuten Lesezeit

Pharma statt Stillstand: Jahresauftakt von IHK und Wirtschaftsförderung

Die Wirtschaftsförderung Saarlouis und die IHK Saarland hatten zum wirtschaftspolitischen Jahresauftakt in die Repräsentanz der RAG nach Ensdorf eingeladen. Der Ort war bewusst gewählt – und er passte.
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Die Wirtschaftsförderung Saarlouis und die IHK Saarland hatten zum wirtschaftspolitischen Jahresauftakt in die Repräsentanz der RAG nach Ensdorf eingeladen. Der Ort war bewusst gewählt – und er passte.

Außen: alte Bergwerksmauern. Innen: ein moderner, gläserner Raum.

Ein Gebäude-im-Gebäude-Konzept, das Transformation nicht nur beschreibt, sondern sichtbar macht. Die Architekten haben hier ein starkes Zeichen gesetzt. Der Kontrast aus Industriegeschichte und klarer, moderner Architektur war beeindruckend. Dazu ein aufmerksamer Service, sehr gutes Catering und eine Organisation, die vom Empfang bis zum Schlusswort reibungslos funktionierte. So muss ein Jahresauftakt aussehen.

Saarlouis im Umbruch

In ihrer Eröffnung betonte die IHK, wie symbolisch dieser Ort für Saarlouis steht. Nach Kohle und Ford sucht der Standort eine neue industrielle Identität. Die Ansiedlung von Vetter Pharma auf Teilen des alten Ford-Geländes ist mehr als eine Unternehmensentscheidung – sie ist ein Signal.

Ein Signal an Fachkräfte. Ein Signal an Investoren. Ein Signal an die Region selbst.

Vetter wird ein wichtiger Arbeitgeber werden können – gerade in einem Landkreis, der in den vergangenen Jahren strukturelle Einschnitte verkraften musste.

Pharma als Kernindustrie

Prof. Dr. Jochen Maas (House of Pharma & Healthcare) machte deutlich: Pharma ist keine Nische. Es ist Kernindustrie und globaler Wachstumsmarkt. Deutschland brauche einen wirtschaftlichen Neustart, sagte er – mehr Kooperation in Europa, engere Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft. Innovation entsteht nicht im Silo.

Dass sich ein international tätiges Unternehmen wie Vetter für das Saarland entscheidet, passt in dieses Bild. Es stärkt das industrielle Profil der Region – neben Stahl, Automotive und den Green-Steel-Initiativen nun auch Pharma.

Warum Saarland?

Im Praxisdialog erläuterten Vertreter von Vetter – unter anderem Herr Otto und Herr Rübekahl – ihre Beweggründe.

Vetter ist ein weltweit führender Full-Service-Anbieter in der Pharmaindustrie. Vom Apothekerbetrieb zum globalen Player – diese Entwicklung steht für langfristiges Denken. Und genau das sucht das Unternehmen auch am Standort.

Loyale Mitarbeiter. Langfristige Arbeitsverhältnisse. Verschiedene Berufsbilder.

Bemerkenswert ist der Frauenanteil bei Vetter: Rund 60 Prozent der Belegschaft sind Frauen. In einer Industrie, die noch immer vielerorts als technisch geprägt und männlich dominiert gilt, ist das keine Randnotiz. Es zeigt, dass moderne Produktions- und Pharmaunternehmen längst anders aufgestellt sind – diverser, breiter qualifiziert, strukturell offener.

Für den Standort Saarlouis bedeutet das: Es entstehen nicht nur Arbeitsplätze, sondern langfristige Perspektiven für unterschiedliche Berufsgruppen – in Produktion, Technik, Qualitätssicherung, Verwaltung und Entwicklung.

Perspektivisch ist ein Drei-Schicht-Modell vorgesehen. Das schafft industrielle Kontinuität und vor allem: viele Arbeitsplätze für den Landkreis. Gerade nach dem Wegfall großer Arbeitgeber ist das ein entscheidender Faktor. Hier geht es nicht um Symbolpolitik, sondern um reale Beschäftigung.

Auch regionale Unternehmen werden profitieren. Vetter hat klar signalisiert, mit ansässigen Unternehmen zusammenarbeiten zu wollen – von Bau und Technik über Wartung bis hin zu infrastrukturellen Dienstleistungen. Wertschöpfung soll nicht isoliert entstehen, sondern im Zusammenspiel mit der Region.

Geplant ist in Saarlouis die Entwicklung eines autarken Produktionsstandortes, stufenweise realisiert. Der Masterplan sieht bis zu 20 Produktionslinien vor. Das ist kein Testballon.

Oder, wie Herr Rübekahl es formulierte: „Vetter ist gekommen, um zu bleiben."

Politische Präsenz

Mit vor Ort waren unter anderem unser Oberbürgermeister Marc Speicher, Vertreter der IHK des Saarlandas, Presse sowie Markus Weber, Bürgermeister von Schwalbach – dem Standort unseres Unternehmens. Die breite politische Präsenz unterstreicht die Bedeutung dieser Ansiedlung für die Region.

Die Veranstaltung war mehr als ein formeller Jahresauftakt. Sie war eine Standortbestimmung.

Das Saarland steht industriell nicht vor dem Ende, sondern vor einer Neuaufstellung. Mit Vetter kommt ein Unternehmen, das langfristig plant, international denkt und lokale Strukturen aufbauen will.

Transformation wird oft abstrakt diskutiert. In Saarlouis war sie konkret.

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