AWS Secrets Manager vs. External Secrets Operator
Geheimnisse als Cloud-Service oder als Teil der Kubernetes-Plattform Secrets gehören zu den …

Secrets gehören zu den unscheinbarsten, aber kritischsten Bausteinen moderner Plattformen. Zugangsdaten, API-Keys, Tokens oder Zertifikate entscheiden darüber, wer auf Systeme zugreifen darf – und wer nicht. AWS Secrets Manager und Infisical adressieren genau dieses Problem. Technisch betrachtet speichern beide Secrets sicher. Architektonisch verfolgen sie jedoch grundverschiedene Ansätze.
Der Unterschied liegt nicht in der Verschlüsselung, sondern in der Frage, wem Secret-Management untergeordnet ist: der Cloud-Infrastruktur oder der Anwendungs- und Plattformlogik. Das ist keine Detailfrage, sondern eine strategische Entscheidung.
AWS Secrets Manager ist der verwaltete Secret-Dienst von AWS. Zugangsdaten, API-Keys und Tokens werden verschlüsselt gespeichert, Änderungen versioniert und – insbesondere für AWS-native Dienste wie RDS – automatisch rotiert. Zugriff und Berechtigungen folgen dem IAM-Modell, Audit-Logs sind tief in CloudTrail und das AWS-Sicherheitsökosystem integriert.
Der operative Aufwand ist gering. Es gibt keine Server, keine eigene Hochverfügbarkeitsarchitektur, keine Skalierungsfragen. Anwendungen greifen über AWS-APIs auf Secrets zu. Für rein AWS-zentrierte Architekturen ist das konsistent und bequem.
Diese Bequemlichkeit ist kein Zufall. Sie ist konzeptionell gewollt.
AWS Secrets Manager ist kein plattformneutraler Baustein. Er ist Teil der AWS-Sicherheitsarchitektur. Secret-Zugriffe folgen Cloud-spezifischen Zugriffspfaden, Identitäten werden über IAM definiert, und Integrationen orientieren sich an AWS-Services.
Sobald Anwendungen außerhalb dieses Kontexts betrieben werden, wird der Dienst zum Fremdkörper. Kubernetes-Workloads benötigen zusätzliche Adapter, CSI-Treiber oder Operatoren. Anwendungen müssen AWS-spezifische APIs kennen oder indirekt über Infrastruktur abstrahiert werden. Technisch ist das machbar, architektonisch jedoch unsauber.
Secrets werden hier der Cloud untergeordnet – nicht der Anwendung.
Infisical verfolgt einen anderen Ansatz. Als Open-Source-Secrets-Manager ist es explizit auf moderne Anwendungs- und Plattformarchitekturen ausgelegt. Secrets werden zentral verwaltet und über Clients, SDKs oder native Kubernetes-Integrationen in Anwendungen eingebunden.
Umgebungen wie Development, Staging und Production sind integraler Bestandteil des Modells. Rollenbasierte Zugriffe, Audit-Logs und Verschlüsselung auf Anwendungsebene gehören zum Standard. Infisical kann selbst betrieben oder als gehosteter Dienst genutzt werden – unabhängig vom Cloud-Provider.
Secrets werden hier nicht als Infrastrukturdetail behandelt, sondern als Teil der Plattformlogik.
Der zentrale Unterschied liegt in der Zielgruppe der Architektur. AWS Secrets Manager richtet sich primär an Cloud-Services. Infisical richtet sich an Entwickler- und Plattformteams.
Secrets sind bei Infisical nicht an eine bestimmte Infrastruktur gebunden, sondern an Anwendungen, Umgebungen und Rollen. Kubernetes-Integrationen ermöglichen es, Secrets nativ in Clustern zu nutzen, ohne dass Workloads Cloud-spezifische APIs kennen müssen. Anwendungen bleiben ignorant gegenüber dem darunterliegenden Anbieter.
Damit wird Secret-Management Teil der Plattformarchitektur – nicht ein externer Cloud-Service, der angebunden werden muss.
Diese Offenheit hat direkte Auswirkungen auf Portabilität. Anwendungen können zwischen Clustern, Clouds oder Rechenzentren wechseln, ohne ihr Secret-Handling neu zu bauen. Zugriffsmodelle, Umgebungsdefinitionen und Policies bleiben gleich.
Gerade in Kubernetes-zentrierten Setups, Multi-Cloud-Architekturen oder europäischen Cloud-Umgebungen entsteht so ein konsistentes Sicherheitsmodell, das nicht an einen Hyperscaler gekoppelt ist. Secrets folgen der Anwendung – nicht dem Standort.
Der operative Anspruch ist bewusst unterschiedlich verteilt. AWS Secrets Manager nimmt viel Infrastruktur-Automatik ab. Skalierung, Hochverfügbarkeit und Integration sind gelöst – allerdings nach AWS-Vorgaben und mit nutzungsabhängiger Kostenlogik.
Infisical verlangt mehr bewusste Entscheidungen. Insbesondere im Self-Hosted-Betrieb müssen Betrieb, Skalierung, Backups und Integration klar geplant werden. Dafür bleibt die Secret-Architektur transparent, erweiterbar und langfristig kontrollierbar. Kosten entstehen durch Infrastruktur, nicht durch jeden Zugriff oder jede Rotation.
Optimierung bedeutet hier bessere Plattformarchitektur – nicht steigende Servicegebühren.
| Aspekt | AWS Secrets Manager | Infisical |
|---|---|---|
| Betriebsmodell | Vollständig gemanagt | Self-Hosted oder gehostet |
| Architektur-Fokus | Cloud-Infrastruktur | Anwendung & Plattform |
| Kubernetes-Nutzung | Indirekt, über Adapter | Nativ |
| Portabilität | Gering | Hoch |
| Lock-in | Hoch | Niedrig |
| Zielgruppe | Cloud-Admins | Entwickler- & Plattformteams |
AWS Secrets Manager ist sinnvoll für:
Infisical ist sinnvoll für:
Secret-Management ist kein reines Infrastrukturthema. Es entscheidet darüber, wie Anwendungen abgesichert, betrieben und bewegt werden können.
AWS Secrets Manager ordnet Secrets der Cloud unter. Infisical ordnet sie der Anwendung und der Plattform zu.
Der Unterschied ist nicht technisch, sondern strategisch. Wer Secrets an einen Hyperscaler bindet, bindet einen sicherheitskritischen Kern. Wer sie als offene Plattform begreift, behält Kontrolle – auch dann, wenn sich Infrastruktur ändert.
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