Apache Kafka: Die Referenz-Architektur für Event-Driven Data Streaming
Fabian Peter 4 Minuten Lesezeit

Apache Kafka: Die Referenz-Architektur für Event-Driven Data Streaming

In der modernen IT ruhen Daten nicht, sie fließen. Apache Kafka ist das zentrale Nervensystem für diese Echtzeit-Datenströme. Während Cloud-Dienste wie AWS MSK zwar die Infrastruktur bereitstellen, entziehen sie dem Nutzer oft die Kontrolle über kritische Konfigurationen und Updates. Der Betrieb von Kafka auf Kubernetes (via Operator) demokratisiert diese Technologie: Er kombiniert die Einfachheit eines Managed Services mit der Flexibilität von Open Source, sodass Sie volle Hoheit über Durchsatz, Latenz und Kosten behalten.
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TL;DR

In der modernen IT ruhen Daten nicht, sie fließen. Apache Kafka ist das zentrale Nervensystem für diese Echtzeit-Datenströme. Während Cloud-Dienste wie AWS MSK zwar die Infrastruktur bereitstellen, entziehen sie dem Nutzer oft die Kontrolle über kritische Konfigurationen und Updates. Der Betrieb von Kafka auf Kubernetes (via Operator) demokratisiert diese Technologie: Er kombiniert die Einfachheit eines Managed Services mit der Flexibilität von Open Source, sodass Sie volle Hoheit über Durchsatz, Latenz und Kosten behalten.

1. Das Architektur-Prinzip: The Distributed Commit Log

Datenbanken speichern den aktuellen Zustand. Kafka speichert Ereignisse (Events), die zu diesem Zustand führten.

Es basiert auf dem Prinzip des Commit Logs: Eine unveränderliche, append-only Sequenz von Datensätzen.

  • Entkopplung: Produzenten (z.B. der Webshop) und Konsumenten (z.B. das Lager-System) kennen sich nicht. Sie kommunizieren asynchron über “Topics”. Fällt das Lager-System aus, puffert Kafka die Bestellungen, bis es wieder da ist. Nichts geht verloren.
  • High Throughput: Durch sequenzielles Schreiben auf die Disk (statt Random I/O) erreicht Kafka Schreibgeschwindigkeiten, die klassische Message Queues (wie RabbitMQ) um den Faktor 100 übertreffen.

2. Kern-Feature: Der Strimzi Operator (Infrastructure as Code)

Früher war der Betrieb von Kafka (mit ZooKeeper) berüchtigt komplex (“JVM-Hölle”). Auf Kubernetes hat sich das dank des Strimzi Operators (CNCF Sandbox Project) grundlegend geändert.

Strimzi übersetzt komplexe Kafka-Operationen in native Kubernetes-Konzepte.

  • Kafka als YAML: Sie definieren einen Cluster mit 3 Zeilen YAML (kind: Kafka). Der Operator fährt die Pods hoch, konfiguriert das Netzwerk und stellt TLS-Zertifikate aus.
  • Rolling Updates: Ein Versions-Update von Kafka ist kein nervenaufreibendes Wochenende mehr. Sie ändern die Version im YAML, und der Operator rollt die Broker nacheinander neu aus, ohne dass der Datenstrom abreißt.

3. Tiered Storage & KRaft (Zukunftssicherheit)

Kafka entwickelt sich rasant weiter. Proprietäre Cloud-Dienste hinken oft Versionen hinterher.

  • KRaft (ZooKeeper-less): Kafka verabschiedet sich von ZooKeeper. Im Eigenbetrieb können Sie den neuen, schlankeren KRaft-Modus bereits nutzen und die Komplexität reduzieren.
  • Tiered Storage: Kafka kann so konfiguriert werden, dass “kalte” Daten (älter als 2 Tage) automatisch auf günstigen S3-Object-Storage ausgelagert werden. Das ermöglicht eine unendliche “Retention Time” (Datenhaltezeit) zu einem Bruchteil der Kosten von schnellen SSDs.

4. Betriebsmodelle im Vergleich: AWS MSK vs. ayedo Managed Kafka

Hier entscheidet sich, ob Ihr “Nervensystem” Ihnen gehört oder ob Sie es mieten.

Szenario A: AWS MSK (Die Blackbox mit Gebühren)

MSK nimmt Ihnen die Arbeit ab, aber auch die Einsicht.

  • Intransparente Kosten: Neben den Instanz-Kosten berechnet AWS oft Gebühren für den Datentransfer zwischen den Brokern (Cross-AZ Traffic). Bei High-Volume-Systemen kann dieser Posten die Rechnung verdoppeln.
  • Eingeschränkte Config: Sie haben keinen vollen Zugriff auf die server.properties. Tuning-Parameter für extreme Performance oder spezielle Security-Plugins sind oft gesperrt.
  • Upgrade-Zwang: AWS kann Sie zwingen, Versionen zu aktualisieren, wenn alte Versionen “deprecatet” werden. Das passt oft nicht in den Projektplan.

Szenario B: Kafka mit Managed Kubernetes von ayedo

Im ayedo App-Katalog wird Kafka (powered by Strimzi) bereitgestellt.

  • Full Control: Sie haben Zugriff auf jeden Parameter der JVM und der Broker-Config. Sie entscheiden, wann geupdatet wird.
  • Keine versteckten Transferkosten: Innerhalb des Clusters fallen keine künstlichen “Managed Service”-Gebühren für Traffic an. Sie zahlen für die Compute-Power.
  • Ökosystem-Freiheit: Nutzen Sie Kafka Connect, Schema Registry oder UI-Tools (wie AKHQ), ohne auf AWS-spezifische, kostenpflichtige “Connect”-Dienste angewiesen zu sein.

Technischer Vergleich der Betriebsmodelle

Aspekt AWS MSK (Managed Service) ayedo (Managed Kafka / Strimzi)
Orchestrierung AWS Control Plane (Blackbox) Kubernetes Operator (Transparent)
ZooKeeper Teilweise noch Zwang KRaft (ZooKeeper-less) ready
Kosten Instanz + Storage + Inter-Broker Traffic Infrastruktur (Flat)
Konfiguration Eingeschränkt (Parameter Groups) Vollständig (CRDs / ConfigMap)
Updates Vorgegebene Wartungsfenster Self-Service (Rolling Updates)
Strategisches Risiko Lock-in (Cloud-Spezifika) Volle Portabilität

FAQ: Kafka & Streaming Strategy

Brauche ich Kafka oder reicht RabbitMQ?

Die Faustregel: Wenn Sie “Smart Broker, Dumb Consumer” wollen (klassisches Job-Queuing), nehmen Sie RabbitMQ. Wenn Sie “Dumb Broker, Smart Consumer” brauchen (High-Throughput, Replay-Fähigkeit, Event Sourcing), ist Kafka alternativlos. Kafka speichert Daten, RabbitMQ löscht sie nach Zustellung. Das ist der fundamentale Unterschied.

Wie kompliziert ist das Thema ZooKeeper?

Traditionell war ZooKeeper der komplexeste Teil. Mit modernen Kafka-Versionen (und im ayedo Stack) nutzen wir zunehmend den KRaft-Modus. Dabei übernehmen die Kafka-Broker selbst die Metadaten-Verwaltung. ZooKeeper fällt als separate Komponente weg. Das macht den Cluster schlanker, stabiler und einfacher zu warten.

Was ist mit Kafka Connect?

Kafka Connect ist das Framework, um Daten rein (Source) und raus (Sink) zu bekommen. AWS bietet “MSK Connect” als teuren Zusatzdienst an. Im ayedo Stack deployen Sie Kafka Connect einfach als weiteren Deployment-Typ. Sie können hunderte von Open-Source-Konnektoren (Debezium für SQL, S3, Elastic) nutzen, ohne Lizenzgebühren.

Wie sichere ich Kafka ab?

Kafka im ayedo Stack nutzt Standard-Sicherheitsmechanismen: mTLS (Mutual TLS) für Verschlüsselung und Authentifizierung zwischen Client und Broker, sowie SCRAM-SHA-512 oder OIDC für User-Auth. Mit integrierten ACLs (Access Control Lists) steuern Sie exakt, welcher Service in welches Topic schreiben darf.

Fazit

Ein zentrales Nervensystem darf nicht zur Blackbox werden. Wer AWS MSK nutzt, erkauft sich Komfort mit Intransparenz und potenziell explodierenden Kosten bei hohem Datendurchsatz. Der Betrieb von Kafka auf Kubernetes (via Strimzi) ist heute der Industriestandard für Unternehmen, die Skalierbarkeit ernst nehmen. Mit dem ayedo Managed Stack erhalten Sie eine Enterprise-Streaming-Plattform, die so flexibel ist wie Ihr Code und so robust wie Ihre Infrastruktur.

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