Weekly Backlog KW 09/2026
🧠 Editorial: Die Woche der Souveränitäts-Simulationen Diese Woche hatte alles: Betriebssysteme, die …

Falls es euch aufgefallen ist: Der Weekly Backlog sieht ein bisschen anders aus. Jetzt noch persönlicher, bunter, lauter und mit viel mehr Wiedererkennungswert. Inhaltlich bleibt aber alles beim Alten: Cloud, Macht, Security, Open Source, Politik. Nur eben frischer angerichtet.
Und das ist auch nötig.
Denn diese Woche hatte ein Leitthema, das sich durch fast alle Meldungen zieht: Digitale Infrastruktur ist Macht. Nicht metaphorisch. Nicht akademisch. Sondern sehr konkret – wirtschaftlich, sicherheitspolitisch, geopolitisch.
Wer Cloud kontrolliert, kontrolliert Betriebsfähigkeit. Wer Zahlungsströme kontrolliert, kontrolliert Daten. Wer Plattformen kontrolliert, kontrolliert Debatten. Und wer Verschlüsselungsstandards definiert, kontrolliert Zukunftssicherheit.
Willkommen in der Realität 2026.
Marietje Schaake bringt es auf den Punkt: Europa hat Technologie zu lange als Marktfrage behandelt – nicht als Machtfrage.
Im Interview mit dem Standard beschreibt die frühere EU-Abgeordnete eine strukturelle Abhängigkeit von US-Techkonzernen, die über Jahrzehnte gewachsen ist. Kapitalflüsse aus Europa stabilisieren genau jene Plattformen, von denen man politisch unabhängiger werden will. Allein niederländische Pensionsfonds investieren rund 200 Milliarden Euro in US-Techwerte.
Der entscheidende Punkt ist jedoch politisch: Wenn CEOs und Investoren aus dem Silicon Valley offen politische Positionen vertreten, demokratische Institutionen relativieren und sich strategisch an Trump annähern, wird klar – Plattformen sind geopolitische Werkzeuge.
Twitter/X unter Musk ist dafür ein Lehrbeispiel: wirtschaftlich diskutabel, politisch maximal wirksam.
Digitale Infrastruktur ist keine neutrale Dienstleistung. Sie ist Grundlage von Verwaltung, Bildung, Wirtschaft und Sicherheit. Wer sie kontrolliert, gestaltet Gesellschaft.
„EuroStack" & Co. sind ein Anfang. Aber Strategiepapiere bauen keine Rechenzentren und keine KI-Stacks.
Lesenswert – nüchtern, aber mit Sprengkraft.
🔗 https://www.derstandard.at/story/3000000304005/tech-politik-muss-oberste-prioritaet-werden
Google hat persönliche und finanzielle Daten eines Studenten an die US-Behörde ICE übermittelt – auf Basis einer administrative subpoena, also einer behördlichen Vorladung ohne richterliche Genehmigung.
Übermittelt wurden u.a.:
Nicht der Inhalt von E-Mails – aber genug, um ein vollständiges Profil zu erstellen.
Wichtig: Unternehmen müssen auf administrative subpoenas nicht reagieren. Sie können widersprechen. Sie können gerichtliche Prüfung verlangen. Laut EFF geschieht das offenbar zu selten.
Der Fall ist kein isolierter Datenschutzvorfall. Er ist ein Lehrstück über:
Für europäische Cloud-Strategien ist das keine US-Innenpolitik. Das ist Risikoanalyse.
56 % aller bargeldlosen Zahlungen in der EU laufen über US- oder chinesische Infrastruktur: Visa, Mastercard, Paypal, Alipay. Technisch effizient, global integriert – aber strategisch nicht europäisch.
Mit Wero versucht Europa erstmals ernsthaft, die Payment-Rails selbst zu kontrollieren.
Die Plattform ist seit Juli 2024 live, basiert auf SEPA Instant Credit Transfer und ermöglicht Echtzeit-Überweisungen per Telefonnummer oder E-Mail. 47 Millionen Nutzer in Belgien, Frankreich und Deutschland sind bereits angebunden, über 7,5 Milliarden Euro wurden transferiert. Mit der Integration von Bancomat (IT), Bizum (ES), MB WAY (PT) und Vipps MobilePay (Nordics) erreicht das kombinierte Netzwerk rund 72 % der EU- und Norwegen-Bevölkerung.
Das ist mehr als eine Wallet-App.
Visa und Mastercard bewegen jährlich rund 24 Billionen US-Dollar. Das sind keine FinTech-Startups, sondern globale Infrastrukturbetreiber.
Technisch basiert Wero auf SEPA Instant – also auf einer vorhandenen Infrastruktur. Der Unterschied liegt in der UX, der Integration und der Händlerakzeptanz.
Was entscheiden wird:
Wenn Wero nur politisch gewollt, aber operativ sperrig ist, wird es scheitern. Wenn es jedoch API-first denkt und echte Netzwerkeffekte erzeugt, könnte Europa erstmals eine kritische Basistechnologie zurückgewinnen.
Digitale Souveränität beginnt nicht bei KI – sie beginnt bei den Zahlungsschienen.
🔗 https://www.golem.de/news/wero-europa-will-raus-aus-us-zahlungsnetzwerken-2602-205256.html
SAP bereitet sich auf einen möglichen Ausfall von Microsoft Cloud -Diensten in Europa vor. Kein technisches Desaster-Szenario – sondern ein geopolitisches.
Mit Delos Cloud GmbH und dem Joint Venture Bleu wird eine Notfall-Architektur geschaffen, falls US-Anbieter gezwungen würden, Europa zu verlassen oder Services einzuschränken.
Das Problem: Hyperscaler sind global orchestrierte Systeme. Ohne kontinuierliche Updates, Security-Patches und Engineering-Zugriff entsteht eine statische Notfall-Cloud.
Resilienz bedeutet hier: kontrollierte Stagnation.
Das ist strategisch nachvollziehbar – aber es ersetzt keine echte Infrastrukturpolitik. Ein Fallback ist kein Ökosystem.
🔗 https://www.computerwoche.de/article/4093583/sap-rustet-sich-fur-microsoft-ausfall-in-europa.html
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt den schrittweisen Ausstieg aus rein klassischen asymmetrischen Verfahren.
Nebenbei wird TLS 1.2 faktisch beerdigt.
Für alle, die gerade noch Zertifikatslaufzeiten bis 2032 planen: Krypto-Migration ist kein 2029-Projekt.
Technische Richtlinien mit Empfehlungscharakter entwickeln in Deutschland erstaunlich schnell normative Kraft. Wer Compliance-Themen betreut, sollte jetzt Roadmaps bauen.
Die Ernennung von Aura Salla zur Berichterstatterin für den Digital Omnibus ist kein Randereignis im parlamentarischen Betrieb. Es ist ein Warnsignal.
Die Rolle der Berichterstatterin ist zentral: Sie formuliert Änderungsanträge, moderiert Kompromisse, strukturiert die Debatte und beeinflusst maßgeblich den finalen Gesetzestext.
Aura Salla leitete bis 2023 Metas Brüsseler Lobbybüro. Parallel wurde mit Dale Sunderland ein ehemaliger Meta-Lobbyist Chef der irischen Datenschutzbehörde – also jener Behörde, die für die DSGVO-Durchsetzung gegenüber Meta zuständig ist.
Man kann argumentieren, dass Fachwissen aus der Industrie wertvoll ist. Das stimmt. Das Problem ist nicht Kompetenz. Das Problem ist Machtkonzentration entlang derselben Interessensachsen.
Der Digital Omnibus soll bestehende Digitalregulierung „vereinfachen" – darunter DSGVO, DMA, DSA. Vereinfachung kann:
Oder sie kann Standards aufweichen.
Gerade die DSGVO ist eines der wenigen global wirksamen Instrumente europäischer Normsetzung. Viele Länder haben Datenschutzgesetze nach europäischem Vorbild angepasst. Das ist regulatorische Soft Power.
Wenn Schlüsselrollen der Reform in Händen ehemaliger Konzernvertreter liegen, entsteht mindestens ein Legitimitätsproblem. Vertrauen in Regulierungsprozesse ist eine Voraussetzung für Akzeptanz.
Für Unternehmen bedeutet das:
Europa beansprucht digitale Souveränität. Diese entsteht nicht nur durch Infrastruktur, sondern durch glaubwürdige, konsistente Durchsetzung eigener Regeln.
Regulierung ist nur so stark wie die Institutionen, die sie tragen.
🔗 https://digitalrechte.de/news/metas-marsch-durch-die-eu-institutionen

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Die Denkfabrik „Dezernat Zukunft" erinnert daran: Europa ist nicht machtlos.
Ein Kill Switch gegen Europa würde US-Aktienmärkte erschüttern – inklusive 401(k)-Vorsorge.
Das Problem ist weniger fehlende Macht als fehlende Kohärenz. Ohne gemeinsame Lastenteilung bleibt geopolitische Stärke fragmentiert.
Digitale Souveränität entscheidet sich nicht im Strategiepapier, sondern im Warenkorb der öffentlichen Beschaffung.
Wenn Polizeibehörden auf Palantir setzen, Verwaltungen fast flächendeckend Microsoft-Stacks betreiben und Cloud-Strategien faktisch Azure-Strategien sind, dann ist Abhängigkeit keine Theorie – sondern Betriebssystem des Staates.
Das Problem ist nicht die Nationalität der Anbieter. Das Problem ist struktureller Lock-in:
Gerade im Sicherheitsbereich wird das heikel. Wer Analyseplattformen oder Kollaboration zentraler Behörden als Blackbox aus einem anderen Rechtsraum bezieht, gibt technische und rechtliche Kontrolle aus der Hand. CLOUD Act, Update-Zyklen, Support – alles Faktoren, die nicht souverän gesteuert werden.
Es gibt Gegenbewegungen: Schleswig-Holstein migriert weg von Microsoft, ZenDiS baut mit openDesk Alternativen auf. Aber parallel wachsen neue Großverträge.
Souveränität entsteht nicht durch Schlagworte, sondern durch offene Standards, modulare Architekturen und echte Wechseloptionen. Ohne Exit-Fähigkeit ist jede Digitalstrategie nur Komfortzone auf Zeit.
🔗 https://www.blaetter.de/ausgabe/2026/februar/toxische-tech-abhaengigkeit
Frank Hennemann kommentiert die Einstufung der AfD Niedersachsen als „gesichert rechtsextremistisch" – und zerlegt vor allem die gespielte Überraschung darüber.
Seit 2022 Verdachtsfall, nun offizielle Hochstufung nach behördlicher Prüfung. Keine Bauchentscheidung, sondern juristische Kategorie. Dazu Ermittlungen, interne Konflikte, bekannte ideologische Linien.
Der Ton: ironisch. Die Botschaft: Wer jahrelang rote Linien verschiebt, sollte sich über Konsequenzen nicht wundern.
Nein. Doch. Ooooh.

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Ab Minute 20 wird es unangenehm konkret: Handelsmacht, Sicherheitsabhängigkeit, Tech-Dominanz.
Die Sendung ist kein Tech-Deep-Dive – aber sie liefert Kontext. Wer Cloud-Strategie, Open Source oder EUCS diskutiert, sollte verstehen, in welchem geopolitischen Klima das passiert.
🔗 https://www.zdf.de/video/magazine/frontal-das-magazin-100/frontal-vom-27-januar-2026-100
Kubernetes ist der De-facto-Standard fürs Betreiben moderner Anwendungen: Container rein, Plattform macht den Rest – Scheduling, Scaling, Self-Healing, Rolling Updates.
Warum das im Kontext digitaler Souveränität wichtig ist: Kubernetes entkoppelt Anwendungen von der darunterliegenden Infrastruktur. Ob On-Prem, AWS, Azure oder eine europäische Cloud – das Deployment-Modell bleibt (weitgehend) gleich. Das macht Exit-Strategien zumindest technisch realistisch und reduziert den “wir sind für immer hier”-Effekt mancher PaaS-Welten.
Aber: Kubernetes ist kein Lock-in-Killer per se. Abhängigkeiten entstehen trotzdem – z.B. durch Managed-Datenbanken, Identity-Stacks, Observability, proprietäre AI-Services und Egress-Kosten. Kubernetes sorgt vor allem dafür, dass die Anwendungsschicht portabler wird.
Kurz: Kubernetes ist kein Souveränitäts-Programm, aber ein guter Hebel für Wahlfreiheit.
Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) bezieht öffentlich Stellung:
Digitale Souveränität funktioniert nur mit
Gerade im Geo-Bereich sind OGC-Standards kein akademisches Detail, sondern Grundlage funktionierender Infrastruktur.
„Public Money, Public Code" verlässt die Aktivisten-Bubble und kommt in Behörden an.
Das ist mehr als Symbolik. Das ist Verwaltung, die verstanden hat, worum es geht.

Quelle: Hetzner Cloud GmbH
Digitale Souveränität ist Risikomanagement. Cloud, Payment, Kryptografie, Plattformregulierung – all das sind keine isolierten IT-Themen. Es sind Infrastrukturfragen. Und Infrastruktur ist nie neutral.
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