Weekly Backlog KW 4/2026
Katrin Peter 6 Minuten Lesezeit

Weekly Backlog KW 4/2026

Diese Woche fühlt sich an wie ein Realitätsabgleich für alle, die digitale Souveränität bisher für ein Förderprogramm mit hübschem Deckblatt gehalten haben. Cloud ist Machtpolitik. Software ist Außenpolitik. Und Abhängigkeit ist kein Betriebsunfall, sondern eine strategische Entscheidung. Während Hyperscaler „Souveränität" neu labeln, Präsidenten mit Zöllen drohen und CEOs offen über Töten sprechen, wird eines klar: Europas Komfortzone ist vorbei. Willkommen im Jahr, in dem Tech endgültig geopolitisch wird.
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🧠 Editorial

Diese Woche fühlt sich an wie ein Realitätsabgleich für alle, die digitale Souveränität bisher für ein Förderprogramm mit hübschem Deckblatt gehalten haben. Cloud ist Machtpolitik. Software ist Außenpolitik. Und Abhängigkeit ist kein Betriebsunfall, sondern eine strategische Entscheidung. Während Hyperscaler „Souveränität" neu labeln, Präsidenten mit Zöllen drohen und CEOs offen über Töten sprechen, wird eines klar: Europas Komfortzone ist vorbei. Willkommen im Jahr, in dem Tech endgültig geopolitisch wird.


🚨 Die Tech-News der Woche

AWS, BSI und die Frage der Kontrolle: Wie nah ist die European Sovereign Cloud am Sovereign Washing?

Amazon Web Services (AWS) nimmt in Brandenburg die AWS European Sovereign Cloud in Betrieb. Cloud-Campusse in Baruth/Mark und Finsterwalde, betrieben über eine deutsche GmbH, Rechenzentren ausschließlich in der EU, Personal mit EU-Wohnsitz. Der Anspruch: Betrieb, Kontrolle und Verantwortung vollständig europäisch.

Der politische Druck ist real. Verwaltungen, KRITIS-Betreiber und regulierte Branchen suchen händeringend nach Wegen aus der strukturellen Abhängigkeit von außereuropäischen Hyperscalern. AWS antwortet mit organisatorischer Entkopplung von der globalen AWS-Partition. Mustafa Isik, Chief Technologist der AWS European Sovereign Cloud, verweist auf europäische Betriebsmodelle, Rechtsrahmen und Personal.

Das adressiert bekannte Risiken – aber es beseitigt sie nicht automatisch. Einfluss entsteht nicht nur durch Datenzugriff, sondern durch Exportkontrollen, Software-Lieferketten, Update-Freigaben und strategische Roadmaps. Oder anders gesagt: Wer den Code kontrolliert, kontrolliert den Betrieb – auch ohne Root-Zugriff.

Markus Beckedahl , Gründer und Geschäftsführer des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie, nennt das folgerichtig „Souveränitäts-Washing". Solange das Angebot Teil eines US-Konzerns bleibt, wirken außereuropäische Machtinstrumente weiter – subtil, aber wirksam.

Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker vom Cyber Intelligence Institute erkennt an, dass Amazon reale Infrastruktur in Europa aufbaut. Belastbar sei Souveränität jedoch erst, wenn der Betrieb auch bei politischen Eskalationen oder Lieferstopps eigenständig fortgeführt werden kann.

Eine Schlüsselrolle kommt dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu. Claudia Plattner , Präsidentin des BSI, kündigt eine enge Prüfung der Entkopplungsfähigkeit an. Die Kriterien des EU Cloud Sovereignty Framework könnten erstmals verbindliche Maßstäbe jenseits von Marketingfolien setzen.

Der Vergleich mit europäischen Anbietern bleibt unangenehm, aber notwendig: OVHcloud , IONOS , Hetzner Cloud GmbH und STACKIT sind strukturell unabhängiger – auch wenn sie weniger „Magic Console Experience" liefern. Digitale Souveränität ist kein Feature. Sie ist eine strategische Entscheidung mit Komfortverlust.

Kommentar: Die AWS European Sovereign Cloud kann ein Übergangsmodell sein. Ein Endpunkt ist sie nicht. Solange US-Konzerne mit „souveränen" Labels primär Marktanteile sichern, bleibt der Vorwurf des Sovereign Washing berechtigt. Entscheidend ist, ob das BSI seine Rolle konsequent wahrnimmt – kritisch, unabhängig und mit Blick auf ein starkes europäisches Cloud-Ökosystem.

🔗 https://www.bsi.bund.de/DE/Service-Navi/Presse/Pressemitteilungen/Presse2026/260115_BSI_AWS_European_Cloud.html 🔗 https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2026/01/cloud-daten-speicher-amazon-brandenburg-aws-usa.html


Digitale Souveränität statt Zollkeule – Unsere Antwort auf Trumps Eskalation

US-Präsident Donald Trump verhängt zehn Prozent Strafzoll gegen Deutschland und weitere EU-Staaten. Anlass: ein Ultimatum auf dem Niveau eines schlechten Immobilien-Pitches – Grönland oder Zollkeule. Ablehnung wird mit wirtschaftlicher Bestrafung beantwortet.

Das ist keine Diplomatie, das ist Erpressung. NATO-Partner werden unter Druck gesetzt, Handelsbeziehungen als Machtinstrument missbraucht. Europa soll für seine Souveränität zahlen.

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Microsoft, Trump und Bayern: Digitale Abhängigkeit ist kein Verwaltungsdetail mehr

Der öffentliche Streit zwischen Bayerns Digitalminister Dr. Fabian Mehring und Finanzminister Albert Füracker ist mehr als ein politisches Geplänkel. Er legt einen Kernkonflikt offen: Digitale Infrastruktur ist Machtpolitik.

Füracker hält den Einsatz von Microsoft in der bayerischen Verwaltung für unproblematisch. Mehring argumentiert mit veränderter geopolitischer Lage und digitaler Souveränität. Inhaltlich hat Mehring recht – auch wenn der Ton politisch unglücklich ist.

Donald Trump kündigt Strafzölle von zehn Prozent an, später sogar 25 Prozent. Diese Maßnahmen sind kein Wirtschaftsinstrument, sondern politischer Druck. Wer unter diesen Bedingungen behauptet, US-Software in Verwaltungen sei unpolitisch, verweigert die Realität.

Es geht nicht um Datenabfluss morgen früh. Es geht um Lock-in, Lizenzmodelle, proprietäre Standards und politische Hebel im Krisenfall. Wer zentrale Verwaltungsprozesse an einen US-Konzern bindet, akzeptiert diese Abhängigkeit – egal, wo der Server steht.

Andere haben reagiert: Dänemark, Schleswig-Holstein. Der echte Norden. Modular, offen, europäisch. Selbst der Präsident des Bundeskriminalamts fordert weg von Universal-Lösungen.

Kommentar: Die Frage ist nicht, ob Bayern Microsoft nutzen kann. Die Frage ist, ob es das sollte – in einer Welt, in der digitale, politische und wirtschaftliche Macht verschmelzen.

🔗 https://www.tagesschau.de/eilmeldung/usa-groenland-eu-trump-zoelle-100.html 🔗 https://www.br.de/nachrichten/bayern/fake-news-und-schlechter-stil-mehring-und-fueracker-zoffen-sich-wegen-microsoft,V85aKCH


Palantir tötet.

Alex Karp, CEO von Palantir, sagt offen, was sonst hinter Sicherheitsverträgen verborgen bleibt: Sein Unternehmen helfe beim Einschüchtern von Gegnern – und „on occasion" beim Töten. Keine Provokation. Eine Selbstbeschreibung.

Die eigentliche Relevanz liegt im Zivilen. Palantir drängt in Polizei, Verwaltung und Wirtschaft. Dieselbe Technologie, die aus einem militärischen Weltbild stammt, wird dort als Effizienz verkauft.

Deutschland und Europa verlassen sich auf Anbieter, deren Geschäftsmodelle eng mit Militär und Geheimdiensten verflochten sind. Die Frage ist nicht mehr, ob Daten sicher sind. Die Frage ist, in wessen Machtlogik sie verarbeitet werden.

Kommentar: Digitale Souveränität beginnt nicht bei Datenschutzparagrafen. Sie beginnt bei der Entscheidung, wem wir unsere digitalen Grundfunktionen anvertrauen.

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BSI und IONOS: Digitale Souveränität wird konkret – endlich

Das BSI und IONOS schließen eine strategische Kooperation. Kein Buzzword, sondern ein operativer Schritt. Cloud-Dienste sollen technisch tief geprüft werden – Architektur, Kryptografie, Betriebsmodelle.

IONOS unterstützt den Aufbau einer Private-Enterprise-Cloud für die Bundesverwaltung. Ein Gegenentwurf zur impliziten Abhängigkeit von Hyperscalern.

Besonders relevant: der Fokus auf Post-Quanten-Kryptografie. Keine Zukunftsmusik, sondern strategische Notwendigkeit.

Kommentar: Digitale Souveränität ist reale Wahlfreiheit. Diese Kooperation schafft dafür endlich eine belastbare Grundlage.

🔗 https://security-network.com/digitale-souveraenitaet-bsi-ionos-kooperation/


🧪 Good News

Saarland investiert in Venture-Capital-Infrastruktur

Das Saarland beteiligt sich mit fünf Millionen Euro an zwei überregionalen VC-Fonds. Zwei Millionen gehen in den Futury Fonds III, drei Millionen in U2V (University to Ventures).

Statt Einzelprojekten setzt das Land auf nachhaltige Finanzierungsinfrastruktur. Zentraler Anker: die Startup-Factory SouthwestX.

Kommentar: Unspektakulär. Strategisch klug. Genau so baut man Ökosysteme.

🔗 https://www.linkedin.com/posts/wirtschaft-saarland_startup-fonds-venturecapital-activity-7417611106627600384-Uedq/

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🔎 Lesenswert

Warum Europas Innovationskraft an digitaler Abhängigkeit scheitert

Frank Karlitschek , Gründer von Nextcloud , spricht im brutkasten-Interview Klartext. Digitale Abhängigkeit ist kein IT-Thema, sondern ein gesellschaftliches Risiko.

Open Source ist hier kein Idealismus, sondern politisches Kapital. Nextcloud steht für eine europäische, kontrollierbare Alternative – technisch und strategisch.

🔗 https://brutkasten.com/artikel/nextcloud-gruender-interview


🎥 Sehenswert

Bayerns Digitalminister warnt vor Microsoft-Abhängigkeit

Im BR Sonntags-Stammtisch warnt Dr. Fabian Mehring vor der strukturellen Abhängigkeit von US-Techkonzernen. Der Vergleich mit der Energiepolitik gegenüber Russland sitzt – und tut weh.

🔗 https://www.br.de/nachrichten/bayern/warum-bayerns-digitalminister-mehring-vor-us-techkonzernen-warnt,V8f5agl


💬 LinkedIn-Beitrag der Woche

NIS-2: Die Kommission rudert beim Anwendungsbereich zurück

Stefan Hessel analysiert die geplanten Anpassungen der NIS-2-Richtlinie. Höhere Schwellenwerte, Korrekturen bei DNS-Anbietern, neue Klarheit in mehreren Sektoren.

Noch ist nichts beschlossen. Aber: neue Argumentationsspielräume entstehen.

🔗 https://www.linkedin.com/posts/stefan-hessel-itsec_eu-kommission-nis-2-update-ugcPost-7419401549577269248--3HG/

🔗 https://www.br.de/nachrichten/bayern/warum-bayerns-digitalminister-mehring-vor-us-techkonzernen-warnt,V8f5agl


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Wenn du es bis hierhin geschafft hast, freue ich mich über ein Like und einen Kommentar – Widerspruch, Ergänzungen und andere Meinungen ausdrücklich erwünscht, denn ohne Debatte gibt es keine digitale Souveränität.

Katrin Peter

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