Weekly Backlog KW 37/2026
🧠Editorial 100 Milliarden Dollar für ein KI-Unternehmen. 18 Millionen Euro weniger für die IT einer …

100 Milliarden Dollar für ein KI-Unternehmen. 18 Millionen Euro weniger für die IT einer Hauptstadt. Prioritäten sind schon eine faszinierende Sache.
Während Anthropic einen Börsengang in Rekorddimensionen vorbereitet, zeigt der Datenabfluss in Berlin ziemlich eindrucksvoll, was passiert, wenn bei digitaler Infrastruktur Anspruch und Realität auseinanderdriften.
Dazu kommen Fragen, die uns vermutlich noch länger beschäftigen werden: Wem gehören eigentlich unsere sensibelsten Daten? Wie reguliert man KI sinnvoll? Und wie orchestriert man deren wachsenden Hunger nach Rechenleistung?
Und weil digitale Souveränität am Ende nicht nur diskutiert, sondern gebaut werden muss, freuen wir uns besonders über einen Beitrag von Speicherguide über unsere ayedo Edge Cloud – und darüber, warum eine europäische Alternative zu Cloudflare relevant ist.
Genug Stoff also. Viel Spaß beim Lesen.
5,8 Terabyte Daten. Rund 1,44 Millionen Dateien. Darunter Passwörter, personenbezogene Daten, Schwachstellenanalysen der Wasserversorgung, Unterlagen zur Cybersicherheitsstrategie und Informationen über kritische Infrastruktur.
Die Hackergruppe Rhysida hat nicht einfach Daten aus der Berliner Verwaltung gestohlen. Sie hat offengelegt, wie verwundbar staatliche Strukturen inzwischen sind.
Besonders brisant sind Dokumente zu Einrichtungen, die im Verteidigungsfall geschützt werden müssen: Heizkraftwerke für Krankenhäuser, Tanklager, Notstromanlagen und Umspannwerke. Selbst Unterlagen zu gefährdeten Rüstungsunternehmen sollen Teil des Leaks sein. Die Bundeswehr beschäftigt sich inzwischen mit dem Datenabfluss.
Das ist kein gewöhnlicher IT-Sicherheitsvorfall.
Solche Informationen können für Sabotage, Erpressung, Spionage und gezielte Angriffe relevant sein. IT-Sicherheitsexperte Manuel Atug spricht von einem denkbaren „maximalen GAU“ bis hin zur Gefährdung von Menschenleben.
Noch schwerer wiegt deshalb die politische Vorgeschichte.
Atug hatte bereits 2023 und 2025 im Berliner Innenausschuss auf die schlechte Cybersicherheit hingewiesen. Trotzdem wurden für 2025 die Mittel für den IT-Dienstleister laut Golem um 18 Millionen Euro gekürzt – fast 50 Prozent. Zwei Millionen Euro für Angriffs- und Einbruchserkennung wurden gestrichen.
Genau hier liegt das eigentliche Versagen.
Deutschland diskutiert über digitale Verwaltung, KI, Gesichtserkennung und immer neue datengetriebene staatliche Systeme. Gleichzeitig fehlt offenbar die Bereitschaft, die bereits vorhandenen Daten und Infrastrukturen konsequent abzusichern.
Ein Staat, der immer mehr sensible Daten erhebt, verknüpft und verarbeitet, übernimmt auch immer mehr Verantwortung für deren Schutz.
Cybersicherheit ist deshalb keine nachgelagerte IT-Aufgabe. Sie ist Teil staatlicher Handlungsfähigkeit. Gerade in einer geopolitischen Lage, in der kritische Infrastruktur längst Ziel hybrider Angriffe ist.
Digitale Souveränität beginnt nicht bei der nächsten Cloud-Strategie oder KI-Initiative.
Sie beginnt damit, die eigenen Systeme zu beherrschen und zu schützen.
Berlin zeigt gerade, was passiert, wenn diese Priorität fehlt.
Deutschland und die EU bauen den Zugang zu Gesundheitsdaten massiv aus. Gleichzeitig stellt eine neue Kategorie besonders sensibler Informationen die bestehenden Regeln vor offene Fragen: Neurodaten.
Das Forschungsdatenzentrum Gesundheit beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte verwaltet bereits die Abrechnungsdaten von rund 74 Millionen gesetzlich Krankenversicherten seit 2009. Forscher arbeiten mit pseudonymisierten Daten in einer virtuellen Verarbeitungsumgebung. Die Daten sollen das Forschungsdatenzentrum physisch nicht verlassen. Ergebnisse werden vor einem Export auf mögliche Re-Identifizierungsrisiken geprüft.
Der Datenbestand soll deutlich wachsen.
Ab diesem Herbst ist die Anbindung von Daten aus der elektronischen Patientenakte vorgesehen. Es sollen Daten der Krebsregister und klinische Daten aus der Medizininformatik-Initiative folgen. Perspektivisch geht es auch um die Vernetzung mit den fast 400 medizinischen Registern und der nationalen Genomdaten-Plattform.
Auf europäischer Ebene schafft der Europäische Gesundheitsdatenraum, kurz EHDS, den Rahmen für eine umfassendere Datennutzung. Dabei sollen Gesundheitsdaten nicht ausschließlich der öffentlichen Forschung zur Verfügung stehen. Auch kommerzielle Forschung und private Produktentwickler werden ausdrücklich als Nutzer im öffentlichen Interesse anerkannt.
Eine besondere Herausforderung stellen dabei Neurodaten dar.
Sie fallen formal unter den Gesundheitsdatenbegriff des EHDS. Die technische Entwicklung von Brain-Computer-Interfaces und Geräten wie Kopfhörern, die ebenfalls Neurodaten erfassen können, wirft jedoch zusätzliche regulatorische Fragen auf. Neurodaten können laut dem Bericht zudem sensible Informationen über andere Menschen offenbaren.
Ein Problem beginnt bereits bei der Definition.
Neurotechnologie kann von kontaktlosen Verfahren zur Erfassung von Vitaldaten per Smartphone-Kamera bis zu hochinvasiven Gehirnimplantaten reichen. Die UNESCO definiert Neurotechnologie breit als Hard- und Software, die das Nervensystem misst, überwacht, analysiert oder moduliert. Für die konkrete rechtliche Einordnung bleiben damit jedoch Grauzonen.
Ende 2025 verabschiedete die UNESCO eine Empfehlung zur Ethik der Neurotechnologie. Sie dient als globales Soft-Law-Instrument und Orientierung für nationale Gesetzgeber. An ihrer Ausarbeitung waren über 7.000 Eingaben aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft sowie die Interessen von 194 Mitgliedstaaten beteiligt.
Auch im Bundesgesundheitsministerium wird inzwischen diskutiert, ob die bestehenden Regeln ausreichen.
Geprüft wird, ob Medizinprodukterecht und DSGVO den Besonderheiten von Gehirndaten gerecht werden oder spezifischere Regelungen notwendig sind. Zur Debatte stehen ein eigenes Neurodatengesetz, eine spezielle Neurodatenverordnung sowie besonders geschützte Erprobungsräume für hochsensible Hirndaten.
Dabei geht es auch um eine Entwicklung, die über klassische Fragen des Datenschutzes hinausgeht: Neuartige nicht-invasive Neurotechnologien könnten autonom agieren und unbemerkt menschliche Entscheidungen oder Verhalten beeinflussen.
Damit wird die Regulierung von Neurodaten zu einem eigenständigen Thema innerhalb der europäischen Gesundheitsdatenpolitik.
🔗https://www.heise.de/news/Gesundheitsdaten-Brauchen-wir-ein-Neurodatengesetz-11442820.html
Der geplante Börsengang des KI-Unternehmens Anthropic verzögert sich offenbar um mehrere Wochen. Statt wie bisher geplant soll das Verfahren nun frühestens Mitte Oktober eingeleitet werden.
Das berichtet Reuters unter Berufung auf mit den Plänen vertraute Personen. Die Nachrichtenagentur weist zugleich darauf hin, dass sich der Zeitplan weiterhin ändern könne. Anthropic selbst hat sich zu dem Bericht bislang nicht geäußert.
Als Grund für die Verschiebung werden Verhandlungen über einen milliardenschweren Kredit genannt. Den beteiligten Banken soll anschließend die übliche Zeit eingeräumt werden. Der Börsengang könnte damit nur wenige Wochen beziehungsweise Tage vor den US-Zwischenwahlen am 3. November stattfinden.
Die Dimension des geplanten Börsengangs ist außergewöhnlich.
Anthropic will laut bisherigen Berichten bis zu 100 Milliarden US-Dollar einnehmen und strebt eine Unternehmensbewertung von zwei Billionen US-Dollar an.
Damit würde das KI-Unternehmen unmittelbar an den Rekordbörsengang von SpaceX anknüpfen – und diesen beim eingesammelten Kapital sogar übertreffen.
SpaceX hatte bei seinem Börsengang 86 Milliarden US-Dollar eingenommen. Bereits das war laut Heise der größte Börsengang der Geschichte. Der vorherige Rekordhalter Saudi Aramco hatte 2019 rund 29 Milliarden US-Dollar eingesammelt.
Auch bei der Bewertung bewegen sich beide Unternehmen in ähnlichen Größenordnungen: SpaceX erreichte zwischenzeitlich rund 2,4 Billionen US-Dollar und wird aktuell mit etwa 1,95 Billionen US-Dollar bewertet. Anthropic zielt auf zwei Billionen US-Dollar.
Für Aufmerksamkeit sorgen auch die Erwartungen, mit denen Anthropic potenzielle Investoren überzeugen will.
Ende August wurde berichtet, dass das Unternehmen einen gesamten adressierbaren Markt – den sogenannten Total Addressable Market – von 30 Billionen US-Dollar ansetzen will.
Anthropic bezieht diese Größenordnung demnach auf den gesamten Umfang aller Arbeiten, die mit KI-Modellen erledigt werden könnten.
Zum Vergleich nennt Heise Zahlen des Wall Street Journal: Die 191 Technologieunternehmen im US-Aktienindex S&P 1500 erzielten zuletzt zusammen einen Umsatz von 2,4 Billionen US-Dollar. Anthropics angesetzter adressierbarer Markt wäre damit mehr als zwölfmal so groß.
Der Börsengang verschiebt sich damit zwar offenbar um einige Wochen. An den bisher genannten finanziellen Dimensionen des Vorhabens ändert das zunächst nichts.
Sollten die bisherigen Pläne umgesetzt werden, könnte Anthropic nach SpaceX innerhalb weniger Monate für den nächsten Rekord an den Kapitalmärkten sorgen.
Meta-Chef Mark Zuckerberg hat sich offenbar persönlich in die Diskussion über eine neue US-Aufsichtsbehörde für Künstliche Intelligenz eingeschaltet.
In einem bislang unbekannten Telefonat mit US-Präsident Donald Trump soll Zuckerberg seine Vorbehalte gegen eine solche Behörde geäußert haben. Das berichtet Yahoo News unter Berufung auf mit dem Gespräch vertraute Personen.
Das Telefonat soll in der Woche nach dem 17. August 2026 stattgefunden haben. Trump soll Zuckerberg angerufen haben, nicht umgekehrt.
Zuckerberg habe dem Präsidenten direkt mitgeteilt, dass er gegen das geplante Vorhaben sei. Allerdings soll er nicht versucht haben, Trump grundsätzlich von der Einrichtung der Behörde abzubringen.
Stattdessen habe Zuckerberg vorgeschlagen, eine mögliche Aufsicht mit Personen zu besetzen, die Trumps eigene Position gegenüber KI vertreten.
Hintergrund ist die Diskussion über eine neue Kontrollinstanz für die KI-Branche.
Die geplante Behörde soll für Künstliche Intelligenz eine vergleichbare Rolle übernehmen wie die Financial Industry Regulatory Authority, kurz Finra, für den Finanzsektor. Der Grundgedanke: Die Kontrolle über KI soll bei einer Stelle liegen, die außerhalb der KI-Industrie selbst angesiedelt ist.
Die politische Debatte über eine stärkere Kontrolle von KI-Systemen hat in den USA in den vergangenen Monaten an Dynamik gewonnen.
Golem verweist dabei unter anderem auf Zwischenfälle, bei denen KI-Modelle Kontrollmechanismen außer Betrieb gesetzt haben. KI-Agenten von OpenAI sollen beispielsweise das KI-Portal Hugging Face gehackt haben.
Gleichzeitig wächst der Widerstand gegen die physische Infrastruktur hinter dem KI-Boom.
Vor allem die zahlreichen neuen KI-Rechenzentren sorgen in Teilen der US-Bevölkerung für Kritik. Die Anlagen benötigen große Mengen Strom und Wasser für ihre Kühlung. In Memphis demonstrieren Anwohner wiederholt gegen Rechenzentren des KI-Unternehmens xAI.
Damit findet die Diskussion über eine neue KI-Aufsicht vor dem Hintergrund wachsender politischer und gesellschaftlicher Auseinandersetzungen über die Folgen der Technologie statt.
Und mit Mark Zuckerberg beteiligt sich nun auch einer der einflussreichsten Akteure der US-Technologiebranche direkt an dieser Debatte.
Karmada hat die höchste Reifestufe der Cloud Native Computing Foundation (CNCF) erreicht. Das Open-Source-Projekt orchestriert Anwendungen über mehrere Kubernetes Cluster und Cloud-Umgebungen hinweg – ohne Anpassungen an den Anwendungen selbst.
Mit Karmada 1.19 rücken insbesondere KI-Workloads in den Fokus: Verbessertes Scheduling und die standardmäßig aktivierte Priorisierung von Workloads sollen verteilte KI-Trainingsaufträge effizienter koordinieren. Auf der Roadmap stehen außerdem Multi-Cluster-Warteschlangen sowie Dynamic Resource Allocation (DRA) für GPUs und andere Beschleuniger.
Kartellrechtliche Überprüfung der Infrastrukturpolitik beleuchtet Machtverhältnisse in Mobilfunknetzwerken; potenziell strategisch relevante Regulierung gegen Gatekeeper-Macht.
Nach der Veröffentlichung gestohlener Daten durch Hacker warnt das BSI vor einem erhöhten Sicherheits
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