Warum klassische Public-Key-Kryptografie strukturell ausläuft
Das BSI zieht eine klare Linie: Ab Ende 2031 soll der alleinige Einsatz klassischer …

In herkömmlichen Hochverfügbarkeits-Szenarien ist DNS (Domain Name System) das Standardwerkzeug für den Failover. Fällt Standort A aus, wird der DNS-Eintrag auf die IP von Standort B umgebogen. Doch in der KRITIS-Welt, insbesondere bei der Steuerung von Strom- oder Gasnetzen, stößt dieser Ansatz an drei kritische Grenzen:
Die Lösung für dieses Problem ist BGP Anycast. Hierbei wird die Umschaltung von der Applikationsebene direkt in das Fundament des Internets verschoben: das Routing.
Bei Anycast wird dieselbe IP-Adresse gleichzeitig von zwei oder mehr geografisch getrennten Rechenzentren in das Internet “bekannt gegeben” (announced). Das Border Gateway Protocol (BGP) sorgt dafür, dass der Traffic immer den kürzesten Weg zum nächsten gesunden Standort nimmt.
In unserem KRITIS-Projekt war die Zielvorgabe eine Wiederherstellungszeit (RTO) von unter 60 Sekunden. Mit DNS-basierten Lösungen war dies unmöglich zu garantieren. Durch den Einsatz von Anycast erreichten wir in Tests eine Umschaltzeit von unter 30 Sekunden.
Der entscheidende Vorteil: Für die Endgeräte der Kunden (die Netzsteuerungs-Gateways) sieht es lediglich so aus, als gäbe es eine kurze Netzwerkstörung (“Flapping”). Sobald die Route über BGP neu berechnet ist, läuft die Kommunikation über denselben VPN-Tunnel und dieselbe Firewall-Regel an den neuen Standort weiter.
Für KRITIS-Betreiber ist die Unabhängigkeit vom Provider essenziell. Durch BYOIP kann der Kunde seinen eigenen IP-Adressraum mitbringen.
Durch die Kombination aus BGP Anycast und einer Multi-Region-Plattform wird der Katastrophenfall zu einem rein technischen Ereignis, das keine menschliche Koordination erfordert. Die Plattform “verschwindet” nie aus dem Netz, sondern wechselt lediglich ihren physischen Standort im Hintergrund. Das ist die technologische Basis, um die strengen Verfügbarkeitsgarantien im KRITIS-Umfeld nicht nur zu versprechen, sondern im Ernstfall auch zu liefern.
Benötigt Anycast eine spezielle Hardware beim Kunden? Nein. Die Komplexität liegt vollständig auf der Seite des Plattform-Betreibers und dessen Peering-Partnern. Der Kunde nutzt die IP-Adresse wie jede andere Adresse im Internet oder im dedizierten Weitverkehrsnetz.
Wie wird verhindert, dass Traffic zwischen den Regionen “hin- und herspringt” (Flapping)? Durch geschicktes BGP-Tuning (z. B. AS-Path Prepending) wird eine “bevorzugte” Route definiert. So bleibt der Traffic stabil an einem Standort, solange dieser gesund ist, und schwenkt erst bei einem echten Ausfall um.
Funktioniert Anycast auch mit VPN-Tunneln? Ja, aber es erfordert eine saubere Konfiguration der Tunnel-Endpunkte (Terminierung). In hochverfügbaren Umgebungen nutzen wir oft redundante Tunnel-Architekturen, die mit dem Anycast-Routing harmonieren.
Ist Anycast teurer als klassisches Load Balancing? Die Betriebskosten sind höher, da man eine engere Zusammenarbeit mit Netzwerk-Carrieren und meist eigenen IP-Space (AS-Nummer) benötigt. Für KRITIS-relevante Systeme ist dies jedoch oft die einzige Möglichkeit, die geforderten RTO-Zeiten zu erreichen.
Wie unterstützt ayedo bei der Implementierung von Anycast? Wir übernehmen die Architekturplanung des Netzwerks, unterstützen bei der Beantragung von IP-Präfixen (RIPE) und konfigurieren die BGP-Schnittstellen zwischen Ihren Kubernetes Clustern und den Upstream-Providern.
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